Segeln stärkt junge Menschen mit Krebs | Nele Lienhard & Philipp Seifert im Expertentalk

Shownotes

Ist es möglich, nach einer Krebsdiagnose wieder in die Segel zu greifen – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne? Wenn die Akuttherapie endet, die Welt sich weitergedreht hat und das Gefühl bleibt, irgendwie nicht mehr ganz dazuzugehören: Wie findet man zurück zu sich selbst?

Unsere Medizinjournalistin Julina Pletziger spricht im neuen Expertentalk von mgo medizin mit Nele Lienhard, Hebamme, und Philipp Seifert, Facharzt für Innere Medizin – beide selbst von schweren Erkrankungen betroffen und gemeinsam Gründer von reSAILience e.V. Der Verein bietet jungen Krebserkrankten Segelreisen als Resilienztraining an. Im Gespräch erklären sie, warum gerade die Zeit nach der Therapie so herausfordernd ist, wie Weite, Wind und Gemeinschaft an Bord Heilungsprozesse anstoßen können – und was es bedeutet, wenn jemand zum ersten Mal selbst das Steuer in die Hand nimmt.

Seien Sie gespannt und folgen Sie uns, um keine neuen Folgen mehr zu verpassen!

Transkript anzeigen

00:00:00: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von MGO Medizin, einer besonders berührenden und inspirierenden Folge auf dem Wasser.

00:00:26: Ich spreche mit Nele Lienhardt & Philipp Seifert von Resalience – einem gemeinnützigen Verein der Segelreisen für junge Erwachsene mit-und nach Krebs anbietet!

00:00:38: Ja ich bin Nele, bin neunzwanzig Jahre alt, arbeite freiberuflich als Hebamme und begleite da Familien und werdende Familien und bin heute hier in meiner Funktion als Vorständin von Resalience.

00:00:52: Ja, hi!

00:00:53: Ich bin Philippe, ich bin thirty-eight Jahre alt und arbeite als Arzt am LMU Klinikum in München.

00:00:58: Ich befinde mich in der Weiterbildung zum Facharzt für innere Medizin und ich bin auch Mitgründer und Vorstand von Resaliance.

00:01:08: Nele und Phillip haben den Verein nach eigenen schwerwiegenden Krankheitsgeschichten ins Leben gerufen.

00:01:14: Wir sprechen in dieser Folge über die Schönheit des weiten Horizons Die Herausforderungen des Alltags auf dem Boot und den Wert einer Gruppe, die ohne Worte versteht was die letzten Jahre für einen selbst bedeutet haben.

00:01:26: Mein Name ist Julina Plätziger ich bin Medizinjournalistin für Neuroaktuell und ich wünsche Ihnen viel Freude und Erkenntnisgewinn mit diesem Podcast Gespräch!

00:01:37: Liebe Näle lieber Philipp herzlich willkommen im MGO-Medizin-Podcast.

00:01:40: schön dass ihr da seid.

00:01:42: Ja vielen Dank für die Einladung.

00:01:43: Wir freuen uns sehr.

00:01:44: hallo

00:01:45: Wenn ihr an eure Arbeit bei Resalience denkt, was sind so die ersten Wörter oder Bilder, die euch in den Kopf kommen?

00:01:51: Was ist die erste Assoziation mit eurer eigenen Arbeit verbindet.

00:01:54: Bei mir ist es tatsächlich das Bild hier ein bisschen paradox vielleicht aber der Arbeitsplatz wo ich jetzt gerade auch sitze weil... Man denkt immer beim Segeln, dass wir die meiste Zeit irgendwie auf dem Wasser verbringen.

00:02:05: Aber tatsächlich ist die Arbeit, die wir tun auch ganz viel Büroarbeit und im Großteil dieser Zeit verbringe ich tatsächlich einfach hier am besten morgens mit einer Tasse Kaffee und Blick so ein bisschen raus durchs Fenster und da entstehen ganz viele Ideen was wir gerade alles tun könnten und sollten.

00:02:19: und das ist irgendwie für mich die Arbeit die eigentlich die wir machen.

00:02:22: und das segeln selber ist natürlich dann das schöne also die Belohnung was daraus dann entsteht.

00:02:28: Und du, Nela?

00:02:29: Denkst du, dass ich dir nicht

00:02:31: sehe.

00:02:32: Auf jeden Fall denke ich ans Segeln und ich denke vor allem aus an die Weite des Meeres, diesen Blick aufs Wasser.

00:02:38: Und dann auf den Horizont am liebsten ohne viel Zivilisation oder Landinsicht.

00:02:43: So diese Weite, die einen selber sich ein bisschen kleiner fühlen lässt, ohne dass das ein negatives Gefühl ist sondern ein Gefühl was irgendwie auch beruhigt und ein Gefühl war es auch den Blick für die Möglichkeiten die da so... liegen im Draußen wieder öffnet.

00:03:01: Und das ist das, was ich so sehr liebe am Segeln aber auch an unserer Arbeit.

00:03:05: Warum ist gerade dieser weite Blick und sich vielleicht klein fühlen in dieser Landschaft?

00:03:11: Warum ist das ein starkes Angebot um Menschen in dieser schwierigen Lebenssituation zu begleiten?

00:03:16: Was wir machen ist, wir nehmen junge Betroffene von Krebsbetroffenen mit aufs Wasser und es waren zu einem Zeitpunkt wo sie in aller Regel gar nicht mehr in der Akuttherapie sind.

00:03:29: Ja, die Krebsdiagnose bekommen haben.

00:03:31: Wo sie intensive Monate manchmal auch Jahre der Therapie durchlaufen haben und wo sie meist an einem Punkt stehen, wo entweder dieser Akuttherapie-Moment abgeschlossen ist oder zumindest eine dauerhafte Therapie etabliert ist, die jetzt sage ich mal keine massiven Einschränkungen mehr bietet so dass in der Segelreise überhaupt möglich ist.

00:03:50: Und jetzt ist ja die Frage wieso braucht es an der Stelle überhaupt ein Unterstützungsangebot?

00:03:55: Also zum einen ist es so das junge Betroffene haben, dass sie in der Lebensphase sind wo eigentlich alles von Aufbruch geprägt ist und wo all ihr umfällt im gleichen Alter vielleicht beginnt mit Familiengründung oder Ausbildung Studium Pläne schmiedet Reisen plant etc.

00:04:13: Und wo junge Menschen ganz abrupt unterbrochen sind In all dem was sie eben an Gestaltungsmut eigentlich mitbringen.

00:04:20: Zum anderen haben junge Krebserkrankte die Besonderheit das sie ganz selten auf andere Betroffene treffen.

00:04:26: Das Gute ist, dass Krebs unter jungen Menschen zum Glück selten ist.

00:04:30: Aber es macht auch Herausforderung sich verständlich zu machen und sich verstanden zu fühlen.

00:04:35: Und das ist jetzt so die Situation aus der heraus der Blick in die Weite an Bord extrem wirksam ist.

00:04:43: Weil was erleben die Menschen?

00:04:44: Sie sind in einer Gemeinschaft manchmal zum ersten Mal von Menschen, die eigentliches erlebt haben, die mitfühlen, die wirklich verstehen.

00:04:51: Und sie haben zum ersten Mal so einen krassen Perspektivwechsel raus aus dem Behandlungsalltag, haben diesen Eindruck von Naturkräften die da wirken auf Sie.

00:05:02: Da kann dieses Kleinsein auch sehr schön sein ne?

00:05:04: Ich bin einfach im Moment in dieser Gemeinschaft auf diesem Boot, auf der Nussschale, die durch die Wellen plätschert und mein Fokus verschiebt sich total.

00:05:13: Könntet ihr vielleicht die Zusammensetzung eurer Teilnehmenden noch ein bisschen erklären...

00:05:18: Genau, also grundsätzlich bieten wir ja Segeltöntz für junge Erwachsene mit Krebserkrankungen an.

00:05:22: Das heißt unsere Zielgruppe sind Menschen zwischen achtzehn und vierzig.

00:05:26: normalerweise.

00:05:27: Die meisten Teilnehmenden die zu uns kommen sind nach Therapie.

00:05:32: Es ist aber keine notwendige Bedingung dass sie Leute jetzt eine abgeschlossen oder sogar erfolgreich abgeschlossen das weiß man hier auch nicht Krebstherapie hinter sich haben.

00:05:40: Sondern was wichtig ist für die Teilnahme bei uns, ist eben dass die Patienten aktuell nicht immun supprimiert sind.

00:05:47: Das bedeutet das ihr Immunsystem so weit funktioniert, dass sie sich also einen gewissen zeitlichen Abstand nach ihrer Chemotherapie beispielsweise befinden.

00:05:56: Es ist auch sehr verschieden, in welchem Gesundheitszustand Menschen zu uns kommen.

00:06:00: Es gibt Menschen, die haben körperlich vielleicht gar keine Einschränkungen mehr sondern suchen vor allem den Austausch um mental Dinge zu verarbeiten.

00:06:08: es gibt aber auch viele, die einfach tatsächlich noch mit Fatigue zu uns komme, die mit körperlichen Einschränkungen kommen, mit Nebenwirkungen oder auch mit Mobilitätseinschränkung.

00:06:18: das Schöne ist dass wir ein sehr individuell die Menschen kennenlernen in ihrer Situation.

00:06:23: Das machen wir über Telefonate, die wir führen einzelnen Personen, die sich bewirbt.

00:06:28: Und in diesem Kennenlernprozess finden wir gemeinsam raus ob die Einschränkungen, die da sind so eine Segelteilnahme möglich machen.

00:06:48: Was wir immer wieder sehen was wir immer auch zugetragen bekommen ist dass diese akute Lebensbedrohung, die durch so ne Krebserkrankung ja unmittelbar da eine psychische Verarbeitung der Erkrankungen selber im Akutprozess gar nicht möglich macht, sondern dass man dann in so ein Art Überlebensmodus letztendlich schaltet.

00:07:12: Menschen unter Akuttherapien die funktionieren, die gehen von Termin zu Termin von Zyklus zu Zyklos das ist so in diesem Prozess selber oft gar nicht möglichst noch zu realisieren und zu verarbeiten, sondern immer wieder wird uns berichtet Dieser Prozess eigentlich erst an dem Zeitpunkt beginnt, wo Menschen überhaupt Luft haben mal durch zu atmen.

00:07:35: Und das ist dann eben auch ganz viel Raumbrauch zu gucken was ist mir eigentlich wieder fahren.

00:07:42: wie bin ich da durchgegangen?

00:07:44: und vor allem wie hat es mich verändert?

00:07:46: Und es ist natürlich ein Prozess, der auch Zeit braucht.

00:07:49: Wir sind allenfalls sozusagen der Beginn oftmals dieses Prozesses und sehen dann im Verlauf was aber nachwirkend dieser Turn alles bewirken kann im Laufe dieses Prozes bei den Leuten.

00:07:58: Das ist irgendwie ganz toll zu beobachten!

00:08:01: Da kommt jetzt natürlich auch euer genialer Vereinznahme ins Spiel nämlich das Wortspiel mit der Resilienz.

00:08:07: Ich würde mich sehr freuen wenn wir jetzt ein bisschen darauf eingehen könnten wie genau das Segeln denn konkret die Resilience fördern kann.

00:08:14: Segeln ist eigentlich gemacht das für Resilienztraining muss man sagen, weil beim segeln haben wir ganz verschiedene Elemente die alle zusammenkommen.

00:08:22: Zum einen ist es allein schon die Zusammensetzung an Bord.

00:08:25: ja man ist auf sehr engen Raum Man wird als Crew sozusagen zusammengewürfelt, man muss irgendwie der sozialen Herausforderung stellen gemeinsam kochen, gemeinsame Probleme bewältigen, gemeinsam seglerisch tätig werden und all das.

00:08:37: aber natürlich ist man auf so einem Segelboot auch ganz anderen äußeren Wiedrigkeiten ausgesetzt.

00:08:42: Ich glaube, das ist das was das Segel eigentlich ausmacht.

00:08:45: Nämlich Windwetterwelle all diese Dinge die so ein Boot eben hin und her schaukeln Und für die meisten es ist das allererste Mal dass sie sich in so einem Ort befinden wo eigentlich doch sehr viel von der Natur gesteuert wird nämlich von außen.

00:08:58: Das heißt, wir haben irgendwie einen Plan.

00:09:00: Wir wollen irgendwo hin und stehen morgens auf.

00:09:02: Haben eigentlich dieses Ziel aber dann vielleicht klappt es doch nicht so richtig weil der Wind ganz anders ist als vorher gesagt weil die Wellen ganz anders sind weil plötzlich Seekrankheiten Rolle spielt oder auch nicht.

00:09:11: Es gibt ganz viele verschiedene Themen die dann irgendwie plötzlich zusammen kommen.

00:09:14: Aber letztlich das Schöne daran ist dass wir in jeder Situation immer wieder merken wir sind handlungsfähig und finden eine Lösung die uns am Schluss zu einem ganz großartigen Ziel führt.

00:09:26: Und ich glaube, das ist dieser Erkenntnis und dieses Resiliente daran was man irgendwie so mitbekommt.

00:09:38: Ich erinnere mich an ein Nachtfahrt unter Sternenhimmel wo der Wind komplett stagnierte und die Segel schlagen und es geht nichts mehr.

00:09:47: Das ist manchmal ganz schön schwer auszuhalten und die Crew wird erst mal unruhig.

00:09:51: und dann beobachteten sie uns wie reagieren Fille?

00:09:55: Wie reagiert Nele?

00:09:56: Was machen wir denn jetzt?

00:09:58: Und plötzlich schlägt diese Unruhe um in so eine völlige, entschleunigte Gelassenheit.

00:10:05: Und alle kommen an in diesem Moment und wir akzeptieren irgendwie alle das es jetzt gerade so ist... ...und dass es da auch grade nichts zu tun gibt!

00:10:15: Dass der Wind nicht in unserer Macht steht.

00:10:17: Dann wird man sich bewusst wie schön dieser Moment ist und was es für ein Geschenk ist unter diesem Sternenhimmel in dieser Entschleunigung einfach beisammen zu sein.

00:10:25: Wenn dann die Playlist noch stimmt, dann entsteht was Magisches.

00:10:34: Dann würde ich sehr gerne noch ein bisschen den Tagesauflauf erfragen.

00:10:39: wie läuft ein Tag bei Resalience?

00:10:40: Was macht ihr den ganzen Tag auf dem Boot?

00:10:43: Wir haben normalerweise bevor der Tag beginnt alle an Bord geschlafen weil wir uns ja die ganze Woche zusammen auf diesem Boot befinden.

00:10:50: das heißt auf dem boot sind auch unsere Kurien also unsere Schlafplätze.

00:10:53: Vielleicht wachen wir in einem Hafen auf, indem wir am Tag davor angelegt haben.

00:10:57: Vielleicht wachten wir auch in einer wunderschönen Bucht auf, an der wir vor Anker liegen.

00:11:01: Dann stehen wir auf Frühstücken gemeinsam und besprechen den geplanten Tagesablauf wo wir gerne hin würden wie die Wetterbedingungen sind was so an dem tag alles ansteht.

00:11:11: Da kommt natürlich dann die Rolle des Skippers oder des Co-Skippers ins Spiel weil da die Planung entstehen muss.

00:11:18: Da muss man sich anschauen Was haben wir für Möglichkeiten?

00:11:21: Durch das Wetter bedingt.

00:11:22: Wo kommen wir heute alles hin?

00:11:23: und dann letztlich macht man alles klar Schiff,

00:11:27: d.h.,

00:11:27: wir räumen alles auf, verstauen alles soweit, dass nichts mehr rumfallen kann und dann verlassen wir den Hafen oder Ankern auf und stürzen uns ins Abenteuer.

00:11:36: Und dann ist natürlich eine große wichtige Aufgabe der Platz am Steuer und Boot quasi auf Kurs zu halten.

00:11:42: Das ist was, was ja für Menschen auch viel bedeuten kann, ne?

00:11:46: Weil so ein Boot zu steuern und in den Elementen unter seiner Kontrolle zu haben und da die Verantwortung für die gesamte Crews übernehmen an dieser Position das ist etwas, was einen richtig intensiven Selbstwirksamkeitsgefühl geben kann.

00:12:00: Deswegen ist der Platz meistens sehr beliebt.

00:12:02: Das lernt man dann mehr euch wie man es macht

00:12:03: Genau!

00:12:04: Da darf die Crew eigentlich von Wir beginnen natürlich mit unserer Unterstützung und unserem Rückhalt ausprobieren.

00:12:10: Im Prinzip geht es bei uns schon darum, dass alle von Anfang an im Rahmen ihrer Möglichkeiten überall anpacken können und dass die Crew selber das Boot steuern kann.

00:12:19: und man kann bei uns so viel über segeln lernen wie man möchte.

00:12:22: Und es gibt eben auch die Möglichkeit während des Segelns einfach aufs Wasser zu schauen.

00:12:26: Zeit für Gespräche, Raum für Gesprächen.

00:12:28: Man kann sich auf das Vorschiff den vorderen Teil des Schiffs zurückziehen und einfach stundenlang in die Weite blicken oder man kann irgendwie armen Armen sich austauschen über die Erkrankung.

00:12:38: Man kan im Moment sein, man kan aber auch eine gute Zeit haben zusammen lachen... Es wird oft sehr viel und laute Musik gehört, um das Leben zu feiern.

00:12:48: Und dass es in dieser Konstellation und diesen Gruppen immer wunderbar zu sehen wie intensiv die Wechsel auch sind zwischen Nachlänglichkeit vielleicht auch mal Traurigkeit und Emotionen und dann wieder großer Freude und Ausgelassenheit Leichtigkeit.

00:13:03: Du hast gerade gesagt man kann bei euch so viele Übersäge lernen wie man möchte.

00:13:06: ich würde jetzt hier im Podcast gerne noch ein paar Dinge lernen.

00:13:08: Wie ist der Prozess wenn man zum ersten Mal aufs Brut kommt?

00:13:13: Ich sag mal, brutfremde Menschen an Segeln heran.

00:13:18: Eigentlich passiert das ganz natürlich und ganz unkompliziert.

00:13:21: die meisten stellen sich das irgendwie glaube ich deutlich schwieriger vor oder so als ist es eigentlich gar nicht klar.

00:13:27: gibt's dann bestimmte Leinen also Seile an denen wir ziehen müssen aber das ist jetzt.

00:13:32: wir sprechen da gemeinsam drüber und dann sobald das segel gesetzt ist tut der wind sein übriges.

00:13:37: also für die meisten Abläufe sind so ganz natürlich eigentlich.

00:13:42: Irgendwie ist es wie an Land, nur ist man halt auf einem Boot und alles bewegt sich.

00:13:47: Wir haben auch eine Küche an Bord, wir haben Schlafplätze habe ich schon erwähnt.

00:13:51: also das ist eigentlich nichts was jemanden überfordern könnte.

00:13:56: Ist Seekrankheit ein Problem am Anfang?

00:14:00: Seekrankheit kann für jeden von uns, es schließt jetzt Nelo und mich nicht aus immer mal ein Problem sein.

00:14:07: Es gibt aber ganz viele verschiedene Möglichkeiten Seekranken zu begegnen und wir haben auch viel Erfahrung und sollte niemanden davon abschrecken so einen Stern zu machen.

00:14:15: Die wirksamste Methode und das sagen wir allen immer auch wenn es am Anfang meistens somit zur Ungläubigkeit führt ist eigentlich Steuern Also selber im Steuer stehen Die absolute beste Prävention für Sehkrankheit.

00:14:27: Und auch sogar die beste Therapie, also Leute, die schon so ein bisschen sagen vielleicht bin ich gerade, werde ich grad so ein bissel der See krank?

00:14:33: Sobald sie irgendwie dieses Steuer in der Hand haben und die Kontrolle über das Boot verschwindet diese Sehkrankkeit!

00:14:38: Es stellt sich eine Zufriedenheit ein und so einen Glücksgefühl

00:14:41: wieder.

00:14:59: Es ist ja so ein bisschen neben dem reinen Erlebnis segeln und der Begleitung des Segens, unser Konzept auch bei Resalience.

00:15:07: Dass wir unsere Rollenaufteilung so gewählt haben dass wir eine Person haben die Skipper innen ist, die quasi seglerisch die Verantwortung trägt und das wir ne zweite Rolle haben nämlich Co-Skipper, Co- Skipperinnen Die mehr so ne psychosozial begleitende Rolle einnimmt Und die Gruppe in dem wahrnimmt und begleitet wo sie steht braucht es da vielleicht ab und an ein Gesprächsangebot, braucht das eine Einzelbegleitung, braucht es eine Gruppenreflexion.

00:15:37: Aus der Erlebnispädagogik gibt es ja so diese Idee dass wir uns durch Herausforderungen weiterentwickeln können, wenn wir unsere Komfortzone verlassen und dass wir das noch wirksamer können.

00:15:51: Wenn wir dann auch noch darüber sprechen was wir erleben und das miteinander teilen weil wir uns dadurch zum einen verbunden fühlen und zum anderen von dem was die anderen erleben auch lernen und profitieren können.

00:16:03: deshalb sind reflektionsrunden fester Bestandteil unserer Turns Und darüber hinaus gibt es aber auch einfach so eine ganz individuelle Begleitung.

00:16:13: Nicht selten braucht man ein Gespräch unter vier Augen auf dem Vorschiff oder es braucht mal ne Umarmung, oder das Gefühl in der Gruppe getragen zu sein.

00:16:24: Wie lang dauert es bis sich so eine Gemeinschaft entwickelt hat?

00:16:28: In der auch so einen Flow entsteht und die einzelnen Teilnehmenden wirklich das Gefühl haben, sich öffnen zu können – was sind da eure Erfahrungen?

00:16:35: Es ist sehr unterschiedlich.

00:16:36: Es kommen immer Einzelpersonen an Bord individuelle Geschichten, individuelle Persönlichkeiten und dann gibt es eben Crews die ganz schnell sich als Team zusammenfinden und irgendwie sich als Crew verstehen und eine Teamleistung erbringen von Anfang an sozusagen.

00:16:50: Und dann gibt's Crews wo es vielleicht ein bisschen länger dauert, wo persönliche Führten oder Fragen im Vordergrund stehen auf die Leute vielleicht in einer schwer betroffenen Situation gerade noch sind und einfach länger brauchen, um sich in diesem neuen Umfeld zu akklimatisieren.

00:17:04: Um auch mit den anderen Menschen in Kontakt zu treten.

00:17:07: Deswegen kann man das gar nicht so genau sagen aber was man glaube ich sagen kann ist und das finde ich eigentlich immer total beeindruckend dass dieser Prozess irgendwie immer stattfindet.

00:17:16: also man hat immer eine wirklich enorme Veränderung vom ersten Tag zum letzten und es passiert immer enorm viel mit dieser Crew Und es entsteht immer irgendwie eine Crew.

00:17:26: und ob das jetzt schnell passiert oder langsam, dass es kommt so ein bisschen auf die individuellen Zusammensetzungen.

00:17:32: Die Geschichten glaube ich

00:17:32: an.

00:17:33: Was ist dann der Moment, an dem ihr merkt?

00:17:36: Jetzt hat's irgendwie klicke gemacht!

00:17:37: Es funktioniert!

00:17:38: Es hat wieder mal geklappt!

00:17:41: Man hat manchmal diesen Eindruck, dass man sieht in den Gesichtern der Leute wenn sie am Steuer stehen... ...und man hat ja die letzten Tage schon gesehen die Leute und dann sieht man plötzlich bei einer Person was gerade in ihr passiert mit dem Boot, mit ihr in diesem Moment und dann dieses Gefühl dass die Person ganz im hier-und jetzt in diesem moment ist.

00:17:59: Ich glaube das ist so ein Zeichen wo ich merke okay diese Person die ist angekommen hier am Board

00:18:05: Und für mich persönlich ist es immer so einen Moment wenn ich so das pure Glück durch mich durchströme führe Wenn ich mich irgendwie verbunden führe mit all dem drum herum und auch mit der Gemeinschaft an Bord und ja passiert immer Das funktioniert wirklich jedes mal.

00:18:35: Ich denke an einen Turn, den wir in der Toskana hatten.

00:18:39: Bei dem wir letztlich um Korsika rumgesägelt sind und dann unerwartet in einem kleinen Sturm geraten sind.

00:18:50: Das ist für mich eine Situation die ich ganz oft zurückdenke weil es so prägend oder eindrücklich war.

00:18:56: Wir hatten da auch eine Teilnehmerin dabei, die sich bis zu dem Zeitpunkt aufgrund ihrer persönlichen Belastungen sicherlich auch Erkrankung sehr zurückgezogen hatte und noch wenig geöffnet hatte, weder der Gruppe aber auch dem Segeln gegenüber glaube ich.

00:19:11: Und dieser Sturm war sehr überraschend für uns alle, wir waren plötzlich sehr gefordert von dieser Gesamtsituation und das Segel flatterte vorne und Nele und ich waren beide total damit beschäftigt mit den Leinen alles unter Kontrolle zu bringen.

00:19:26: und es ist wirklich keine Situation die wir sehr oft erleben dass es so überraschenplötzlich diese Böhe da rein geschlagen hat, diese Windböhe und das ganze Boot neigte sich.

00:19:35: Und ich sagte zu dieser Teile nur, könntest du gerade mal am Steuer hier übernehmen?

00:19:39: Wir waren beide so an unserem Limit Lede und ich mit der Alleinunführung und irgendwann schaute ich nur zu ihr ans Steuer zurück ob alles in Ordnung war.

00:19:46: Sie stand selend glücklich strahlend wie ich sie noch den ganzen Teil nicht gesehen hatte am Steuer und hatte die volle Kontrolle dieses Boot gesteuert und hat wirklich breit gegrinst.

00:19:55: Es war ein Gänsehautmoment weil wir dachten es war einfach.

00:19:59: Also hatten wir sie die ganze Woche noch nicht gesehen und dann in dieser Sturmsituation, in dieser wirklich schwierigen forderten Situation hatte sie plötzlich so ihren jetzt hier und jetzt.

00:20:07: Moment war ganz bei sich.

00:20:08: Und das war einfach wirklich toll, ganz

00:20:11: toll zu sehen.

00:20:25: Habt ihr den Eindruck dass sich während so einer Segelreise verändert?

00:20:28: Wie sehr das Thema Krankheit tatsächlich im Vordergrund steht?

00:20:31: thematisch?

00:20:33: Ja also des Thema Krankheiten.

00:20:35: ich würde nicht sagen dass es im vordergrund stehen weil das klingt so als ob alles sich um diese Krankheit dreht, so ist das auf keinen Fall.

00:20:42: Die Krankheit ist natürlich irgendwie da.

00:20:44: die soll jetzt auch nicht von Bord vertrieben werden oder so.

00:20:46: wir wollen ja jetzt nicht irgendwie die Krankheit vermeiden oder irgendwie ignorieren oder sowas.

00:20:51: aber sie steht nicht über uns, sie dominiert nicht.

00:20:54: was wir tun Das segeln selber es steht im Vordergrund und die Gemeinschaft steht im vordergrund Und die Erfahrungen die wir da machen steht im vor der Grund.

00:21:03: Natürlich in diesem Kennenlernprozess, wenn alle neu an Bord kommen ist es schon auch so ein bisschen ein Fokus einzuschätzen.

00:21:10: Wo stehen die anderen?

00:21:11: Was haben sie für Erfahrungen gemacht?

00:21:13: Das passiert ganz schnell!

00:21:15: Und dann erlebe ich eher, dass es ganz oft auch gar nicht so diesen offensichtlichen Krankheitsaustausch braucht.

00:21:21: Weil Menschen nämlich oft zum ersten Mal bei uns erleben – Ich bin ja verstanden!

00:21:26: Ich werde ja ohne Worte verstanden in dieser Gemeinschaft von den anderen und muss mich ja überhaupt nicht erklären.

00:21:31: Das ist oft eine neue Erfahrung und die schenkt Leichtigkeit

00:21:34: letztendlich.".

00:21:36: Ja, danke für die Klarstellung.

00:21:37: Das finde ich total wertvoll, dass das auch einmal gesagt ist in der Folge.

00:21:42: Gibt's was, was sich seit der ersten Segelreise verändert

00:21:44: hat?

00:21:45: Ich glaube ja!

00:21:47: Wir sind deutlich professioneller geworden im Team wie wir uns absprechen und organisieren.

00:21:52: Wir haben viel gelernt in allen möglichen Bereichen.

00:21:54: Die Arbeit ist so vielseitig und hat so viel schichtig.

00:21:57: Und wir arbeiten so eng im Team zusammen.

00:21:59: Dieser Austausch macht total viel Spaß.

00:22:02: Da werden wir immer besser...

00:22:04: Und habt ihr den Eindruck, dass eure Erfahrungen bei Resalience auch nähle?

00:22:08: Bei dir als Hebamme, für dich als Arzt.

00:22:10: Eure sonstige Arbeit irgendwie verändern?

00:22:14: Ich glaube das ich noch viel achtsamer geworden bin im Wahrnehmen der Personen die mir gegenüber ist und ich liebe es einfach und das vereint ja meine beiden Tätigkeiten ganz nah dran zu sein an Menschen und ganz echt zu sein und diesen Wandelungsprozess mitzubegleiten.

00:22:32: Das ist das, was mich schon immer fasziniert und was ich sehr liebe.

00:22:37: Die Tätigkeit im Verein hat mir glaube ich sehr dabei geholfen auch meine Rolle zu verstehen.

00:22:43: Ich glaube es ist eine Rolle mit der wir in der Medizin jeden Tag eigentlich konfrontiert sind aber die wir immer wieder neu verstehen müssen, was machen wir da eigentlich?

00:22:50: Weil wir sind ja mehr als nur die Personen, die jetzt ein Medikament verschreibt oder die Diagnose stellt.

00:22:54: Bei Resalience wird es einem sofort klar, weil dann nimmt man ganz viele verschiedene Rollen ein.

00:22:58: Man ist immer sehr im direkten Austausch mit einzelnen Personen und man ist mal auch in der Rolle als Skipper in meinem Fall zum Beispiel und man begreift sich aber auch in die Rolle der vermittelnden Person an Bord, der Person, die irgendwie kommuniziert, die auffängt, die Krisensituation irgendwie mitträgt... Und ich glaube dahingehend hilft mir diese Arbeit oder hat die Arbeit viel beigebracht, dass ich auch meine Rolle in der Tätigkeit als Arzt mehr hinter Frage oder hinter Frage was genau würde jetzt die Situation erfordern?

00:23:26: Oder was macht diese Arbeit gerade aus in der Kommunikation und in der Art und Weise wie ich mit den Patienten spreche zum Beispiel.

00:23:33: Und ich glaube das da irgendwie der Blickwinkel, dem man da bekommt, den verdanklichen Stück weit auf jeden Fall der Arbeit bei Resilience.

00:23:42: ja

00:23:44: Zum Abschluss unseres Gesprächs habe ich Philipp und Nele noch nach ihrer Zukunftsvision für Resalience gefragt.

00:23:51: Unsere Zukunftsvision ist natürlich eine Vision, in der sich die Vereinsarbeit selber trägt und dafür brauchen wir eben im Team auch Leute, die zukünftig als Skipperinnen und Skipper aber auch als Co-Skipperinnen Skipper und auch in all den anderen Tätigkeiten weiter Arbeit machen.

00:24:07: Und deswegen ist ein ganz bestimmter oder ein ganz konkreter Bestandteil unserer Vision auch die Ausbildung von Menschen Und insbesondere betrifft es die Ausbildung von Leuten, die selber mal erkrankt waren und bei uns als Teilnehmerin eben dabei waren.

00:24:20: Unsere Vision ist dabei diese Ausbildung dieser Akademie oder dieses Resalience-Lehrkonzept weiter voranzubringen vielleicht auch in Zusammenarbeit mit Segelschulen oder mit professionellen Segelausbildern um diesen Leuten halt die besten mögliche Grundlage zu bieten solche Arbeit zukünftig selber durchzuführen.

00:24:39: Diese Besonderheit von diesem Akademiegedanken oder diesen Nachhaltigkeitsgedanken, die ist deshalb auch so schön.

00:24:47: Weil wir ja letztendlich Menschen auch in dieser Hinsicht eine Perspektive bieten.

00:24:52: Wir haben ja diesen Krankheitsverarbeitungsprozess der bei der Törnteilnahme beim ersten Mal vielleicht auch beim zweiten mal im Fokus steht.

00:25:00: Und wenn wir unsere Arbeit gut machen und da was anstoßen, und Menschen kommen in diesen Prozess der Verarbeitung und kommen irgendwann einen Punkt wo sie merken okay diese Auseinandersetzung kommt jetzt irgendwie in die Ruhe.

00:25:11: Da braucht es gerade gar nicht mehr so viel Eigenes dann entsteht oft auch eine neue... geht ne neue Tür auf und das gibt Menschen auch viel weil da sind wir wieder bei dem Thema Resilienz.

00:25:22: Gibt Menschen auch viele zu merken.

00:25:23: ok ich kann aus dieser schweren Erkrankung raus profitieren.

00:25:30: Diese Erkenntnisse, die ich gewonnen habe und diesen Weg, den ich gegangen bin kann ich auch verwandeln in was Gutes.

00:25:36: Und kann Menschen, die noch weiter vorne im Prozess stehen meinen Wissen und meine Begleitung zur Verfügung stellen – das ist ja etwas Wunderschönes!

00:25:50: Diverse schwerwiegende Erkrankungen für junge Erwachsene mit unser Programm einschließen, weil wir glauben das natürlich die Wirksamkeit dieses Angebots und von Segeln allgemein jetzt nicht bei Krebs aufhört.

00:26:00: Die kann auch in ganz vielen anderen Bereichen sinnhaft sein.

00:26:03: Uns aktuell fehlen leider die Kapazitäten um noch andere Zielgruppen anzusprechen, um noch weitere Zielgruppe zu erschließen.

00:26:09: Wenn wir die Kapozitäten personell wie auch finanziell irgendwann haben dann auf jeden Fall wir als Verein glaube ich hängen letztlich davon ab und es muss man einfach so sagen dass Es ist Spenderin und Spender gibt da draußen, die uns unterstützen.

00:26:22: Und dafür würde ich auch gerne an der Stelle an die, die wir uns unterstützen einmal Danke sagen!

00:26:26: Liebe Nele, lieber Philipp vielen, vielen Dank dass ihr heute da wart um eure Geschichten geteilt habt.

00:26:31: es war wirklich wunderschön euch zuzuhören.

00:26:34: Danke das wir berichten durften.

00:26:36: Vielen Dank für die Einladung.

00:26:37: Das hat sehr viel Spaß gemacht.

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