Tiergestützte Therapie bei Kindern mit Autismus | Dr. Gomolla im Expertentalk
Shownotes
Kann Nähe zu Tieren Wege öffnen, die zuvor verschlossen blieben? Wenn Kinder und Jugendliche im Autismus‑Spektrum in einer Welt leben, die oft zu laut, zu schnell, zu viel ist – wo finden sie einen Ort, an dem sie einfach sein dürfen?
Unsere Medizinjournalistin Julina Pletziger spricht im neuen Expertentalk von mgo medizin mit der Therapeutin Dr. Gomolla, Gründerin des Therapiehof Hegau und des Instituts für Pferdegestützte Therapie (IPTh), die am Bodensee einen solchen geschützten Raum schafft. Zwischen Pferden, Stall und sanften Routinen erleben junge Menschen dort Momente der Ruhe, des Vertrauens und der Selbstwirksamkeit.
Im Gespräch erklärt Dr. Gomolla, warum gerade das Schaukeln auf dem Pferderücken so beruhigend wirkt, wie Tiere helfen können, Zwänge zu lösen, und was in Kindern passiert, wenn sie beginnen, sich zu öffnen. Und sie berichtet von den kleinen, aber oft entscheidenden Veränderungen, die Familien zu Hause beobachten.
Seien Sie gespannt und folgen Sie uns, um keine neuen Folgen zu verpassen!
Transkript anzeigen
00:00:00:
00:00:11: Herzlich willkommen auf dem Therapiehof Hegau am Bodensee.
00:00:15: Er gehört der Psychologin Dr.
00:00:17: Annette Gomuller, die das Institut für Pferdegestützte Therapie kurz IPTH gegründet hat – dass Psychotherapeutinnen, Pädagogen und Menschen in anderen sozialen Berufen zur pferdegestützten Arbeit aus- und weiterbildet.
00:00:32: Auf ihrem Hof unterstützt Annette Gomuller vor allem Kinder und Jugendliche im Autismusspektrum.
00:00:37: Auf dem Rücken der Pferde liegt ihre Erfahrung nach nicht nur das Glück, sondern auch enormes Wachstum.
00:00:44: Es gibt viele Kinder mit Autismenspektrum, die auch unglaublich gerne auf dem Pferd sitzen und sich gerne schaukeln lassen.
00:00:50: Und da ist unser Ziel in der Regel, dass sie sich entspannen, dass Sie dadurch weniger Zwanghaftigkeiten zeigen und dass Sie sich durch andere Situationen öffnen.
00:01:00: Das ist das was wir im Nachfeld berichtet bekommen von den Eltern, was wir in Erhebungen sehen.
00:01:05: Dass diese Möglichkeit sich der Welt zuzuwenden, dadurch gesteigert werden
00:01:10: kann.
00:01:12: Mein Name ist Julina Plätziger.
00:01:14: Ich bin Medizinjournalistin für MGO-Medizin im Bereich Neurologie und Psychiatrie.
00:01:19: Heute freue ich mich, gemeinsam mit Ihnen ein bisschen Stallluft zu schnuppern und zu lernen wie die ferdegestützte Arbeit insbesondere Autisten zur mehr Fokus-, Flexibilität und Ruhe verhelfen kann.
00:01:30: Dafür begrüße ich dich liebe Annette.
00:01:32: herzlich im Experten Talk!
00:01:34: Ja schön dass ich dabei sein darf.
00:01:38: Ich freue mich total, dir heute die Einstiegsfrage zu stellen, die ich allen unseren Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern zum Beginn stelle.
00:01:44: Weil deine Antwort bestimmt außergewöhnlich und spannend sein wird!
00:01:48: Und zwar würde ich gerne wissen was das erste ist, was du siehst wenn du morgens zur Arbeit kommst?
00:01:53: Ja wenn ich morgen zur Arbeit komme dann sehe ich erstmal einen Hof und wenn ich dann halt in den Raum reinkomme sehe ich unsere Katze und die miaut mich an und sagt dass ihr Hunger hat und was du fressen haben
00:02:04: möchte.
00:02:05: Hof kann ja auch vieles bedeuten.
00:02:06: Was für einen Hof können wir uns da jetzt vorstellen?
00:02:09: Das ist ein Therapiehof, der liegt in der Nähe vom Bodensee und das war mal ein Milchviehbetrieb und eine der vielen kleinen Betriebe in Baden-Württemberg die dann aufgeben musste also die Milchfieferwirtschaft aufgegeben haben auf Mutterkuhhaltung umgestellt hat ne Weile und dann den Hof zur Pacht ausgeschrieben haben so dass ich da mit dem Pferden und den Eseln Ziegen einziehen konnten einen Therapiehof eröffnet haben, dort auf dem wir Kinder Jugendliche und auch Erwachsene begleiten.
00:02:41: Vor allem mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen.
00:02:45: Das ist ja für eine Psychologin ein schon ungewöhnliches Arbeitsumfeld.
00:02:49: Wie bist du denn damals auf die Idee gekommen?
00:02:51: Mit Tieren zu therapieren und diesen Hof ins Leben zu rufen?
00:02:56: Ja, also wie so viele Menschen habe ich als Kind sehr Tiere geliebt und zwar alles was irgendwie vier Beine hat.
00:03:05: Und rumläuft besonders auch Pferde und war ein pferdenärisches Kind bin aber städtisch aufgewachsen hatte immer nur in Ferien und in Reitstunden irgendwie Zugang dazu hätte mir glaube ich aber immer gewünscht irgendwie auch im ländlichen Gebiet mit Tieren irgendwie direkt leben zu können.
00:03:23: dann ist das vergessen hat geraten im Studium, wie das so ist.
00:03:27: Und habe dann sehr viel in der Wissenschaftforschung und Uni-Bereich irgendwie auch gearbeitet und bin dann aber über die Autisten und deswegen passt es mit dem Thema heute auch zusammen.
00:03:38: Autismus Spektrum über diese Menschen eigentlich wieder zur tiergestützten Arbeit gekommen und hab gesehen oder hab in Praktika etc.
00:03:46: erlebt dass halt irgendwie mit den Pferden da einen Zugang zu diesen Menschen zu finden ist.
00:03:51: und eigentlich darüber bin ich wieder zum Reiten gekommen auch zur Pferdengestützentherapie und darüber irgendwann dann zum Therapiehof.
00:04:00: Das Autismus-Spektrum bezeichnet tiefgreifende neurologische Entwicklungsstörungen, die sich durch Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion beeinträchtigte Kommunikation sowie repetitive Verhaltensweisen und Spezialinteressen äußern.
00:04:13: Die Ausprägung variiert sehr stark von hoher Funktionalität bis hin zu intellektuellen Beeinträchthigungen.
00:04:20: In der tiergestützten Therapie betreut Annette Gommola vor allem Autisten, die auf viel Unterstützung angewiesen sind.
00:04:26: Ich habe sie gefragt, welche Aufgabe dabei den Pferden im speziellen zukommt?
00:04:31: Genau, das hat natürlich immer damit zu tun mit welchem background therapeutisch ich daran gehe.
00:04:37: Dass sich irgendwie die Tiere einsetzt.
00:04:39: Ich kann es ja so ein bisschen spezifisch lenken ist dass er Aufgaben orientiert weil man rund um Tiere sehr viel zu tun hat auch rund um Pferde.
00:04:46: Man muss sie putzen bevor man sie reitet etc.
00:04:49: sind so sehr viele strukturierte Aufgaben drum herum.
00:04:52: Das ist der eine Bereich in dem wir auch vielen Menschen mit Handicap arbeiten oder eben auch intellektuellen Beeinträchtigungen etc.
00:05:01: Abläufe lernen oder auch mit Menschen.
00:05:05: mit Konzentrationsschwierigkeiten, Kinder mit ADHS etc.
00:05:09: Und dann haben wir auf der anderen Seite und das ist der, der mir noch viel mehr liegt eigentlich dass halt Pferde sehr stark auf Emotionen reagieren also sehr stark fühlen wie sich ein anderes Lebewesen fühlt und eben dadurch dass sie als Fluchttiere sehr feine Wahrnehmung haben und als stark sozialisierte Herdentiere eben auch sehr stark in die Intakt gehen, dass sie so sehr auf diese emotionalen Lagen reagieren und sie stoßen auch sehr viele Emotionen an.
00:05:42: Also dadurch das sie sehr groß sind und eben trotz der Größe irgendwie feinfühlig rüberkommen, sind halt viele Menschen sehr emotional geöffnet.
00:05:52: Das kann man natürlich in der Psychologie auch mit verschiedenen anderen Themen oder Dingen machen.
00:05:56: Aber die Tiere haben da doch so eine gewisse Öffnungsfunktion und die Pferde im Speziellen, also die erleben wir doch immer wieder als besonders sensibel und besonders stark öffnend.
00:06:08: Und für alle Menschen, die jetzt noch nicht so einen Zugang zum Pferd haben vielleicht auch nie das Reiten mal ausprobiert haben.
00:06:14: was sind dann so Reaktionen?
00:06:15: Wie kann man sich das denn vorstellen dass ein Pferr zu reagiert auf den Menschen?
00:06:20: Ja, also so landläufig spricht man von Spiegelfunktion.
00:06:23: Also das Pferd spiegelt den Menschen.
00:06:25: Das heißt wenn ich aufgeregt bin dann ist das Pherd auch aufgereght und wenn ich irgendwie mich beruhigen kann und ruhig werde, dann wird es neben mir auch wieder ruhig.
00:06:33: Das ist das was glaube ich auch so landläufig viele Menschen schon mal mitbekommen haben.
00:06:39: Das hat einfach mit dem Flucht hier zu tun dass das sehr schnell merkt, wenn in der Herde jemand angespannt ist und flüchten müsste, dass es dann halt mit in dieser Spannung geht.
00:06:49: Genau das gleiche, aber auch wieder in die Endspannung.
00:06:53: Wenn die Pferde aber wie bei uns ja so stark mit den Menschen sozialisiert sind und eigentlich auch in der Umgebung leben, indem ja sehr viel Sicherheit da ist.
00:07:01: Also sie gar nicht immer auf dem Sprung sein müssen sozusagen.
00:07:05: Lassen Sie sich auch auf Emotionen vor allem auch sowas wie Traurigkeit sehr ein.
00:07:10: Und das zeigen die zum Beispiel durch Nähe.
00:07:13: also wenn jemand sehr traurig ist innerlich dann stellen die sich häufig sehr nah an diese Personen ran.
00:07:20: Die gehen z.B.
00:07:21: mit ihrem Maul sehr stark so in den Bauchbereich oder Plexus-Bereich irgendwie, dass sie da so ihre Nase dran halten wenn es jemand nicht gut geht.
00:07:31: Die halten ihren Kopf neben dem Kopf von Menschen die atmen einfach ganz toll!
00:07:36: Wenn jemand sehr kurzatmig und gestresst ist dann machen die immer so lustige Stöhne machen.
00:07:44: Das nennen wir eben nicht mehr Spiegeln sondern affektives Mitschwingen also das sie quasi den Effekt, also den körperlichen Anteil einer Emotion spüren und auf den reagieren.
00:07:58: In ihrer artspezifischen Art aber da haben sie eben ganz viele feine Ausdrücke im Gesicht und in der Atmung um darauf zu reagieren oder Körperpositionierung wie nah stehen Sie an uns dran?
00:08:09: Wie sehr entfernen Sie sich von uns?
00:08:12: das sind so typische Zeichen.
00:08:15: Wir treffen heute den elfjährigen Fabian, der seit einigen Monaten den Therapiehof besucht.
00:08:20: Fabian ist ein freundlicher, aber sehr sensibler Junge der bis heute keine Lautsprache entwickelt hat.
00:08:26: Er nutzt Gesten oder Bildkarten um mit seinen Eltern und seinen Betreuern in der Förderschule zu kommunizieren.
00:08:33: Sein Alltag ist von einem ausgeprägten Bedürfnis nach Struktur- und Vorhersehbarkeit geprägt.
00:08:38: Schon kleine Veränderungen im gewohnten Tagesablauf stressen ihn sehr.
00:08:42: Es hat deshalb ein bisschen gedauert bis er sich an seine Therapiestunden auf dem Hof gewöhnt hatte Aber inzwischen freut er sich sehr auf die Stunden.
00:09:02: Hallo Fabian, schön dass du da bist.
00:09:08: Hallo Frau Weber wie geht's Ihnen denn?
00:09:11: Ja die Woche war ein bisschen schwierig.
00:09:14: Fabian saß oft allein in seinem Zimmer und wollte nicht rauskommen.
00:09:18: das drückt bei uns natürlich die Stimmung immens.
00:09:21: gerade Okay er hat sich etwas zurückgezogen.
00:09:25: ja wir schauen mal wie es dann heute bei uns und den Pferden läuft Fabian oder?
00:09:30: Schau mal was wollen wir heute machen?
00:09:33: kommst Du mit in den Stall Fabian, schau mal.
00:09:38: Nimm mal dein Foto!
00:09:39: Wo bist du?
00:09:41: Genau das ist das Bild von dir.
00:09:43: und jetzt noch das Foto der Jill von unserem Pferd.
00:09:47: Wo ist die Jill?
00:09:49: Richtig gut gemacht!
00:09:51: Dann können wir jetzt reingehen.
00:09:56: Für viele der Kinder, die zu dir auf den Hof kommen es ist grundsätzlich erstmal schwierig sich auf fremde Dinge einzulassen Und soziale Cues werden häufig nicht sofort verstanden.
00:10:06: Wie fühlst Du diese Kinder ans Pferdd heran?
00:10:09: Bei den Kindern mit diesen intellektuellen Beeinträchtigungen oder auch diesen non-wehrbaren Kindern haben wir ganz lange Heranführungsphasen an das Pferd.
00:10:19: Also die brauchen sehr lang, um sich darauf einzulassen was Pferde für Geräusche machen, für Bewegung machen
00:10:26: etc.,
00:10:27: also das dauert irgendwie viele viele Stunden am Anfang dass wir Erst mal sie ihnen so viel Sicherheit geben müssen im Umgang mit ihnen, dass sie sich hier an dem Hof auch sicher fühlen.
00:10:37: Dass Sie dann sich einlassen können auf dieses Lebewesen.
00:10:41: Das Spannende ist das sie da schon auch interessant finden.
00:10:44: also wir sagen im Tiergestützten, dass Tiere grundsätzlich beim Menschen sehr viele Aufmerksamkeitslenkung auf sich ziehen.
00:10:51: Das heißt es unser Gehirn ist darauf ausgerichtet einen Tier anzuschauen weil das überlebenswichtig ist.
00:10:57: Und das funktioniert auch bei Menschen mit Einschränkungen oder Autismus-Spektrum,
00:11:01: d.h.,
00:11:02: die Neben, die schon sehr schnell war, weil es ja auch Gefahr sein könnte und haben gewisses Interesse an denen.
00:11:09: Da setzen wir so an... dass wir dann halt doch irgendwie mit den Pferden so an ihn vorbeilaufen, sie an die Geräusche gewöhnen.
00:11:15: An die Bewegungen gewöhnt und dann nach und nach mit ihnen rangehen.
00:11:19: Und wenn die dann einmal am Pferd waren und das Pferdd angefasst haben und das Fell angefasst hat und jetzt auch geschafft haben, dass sie sich angstfrei obendrauf setzen dann wollen sie das häufig auch, wie viele andere Kinder einfach ständig tun.
00:11:33: Es gibt viele Kinder mit Autismenspektrum, die auch unglaublich gerne auf dem Pferd sitzen sich gerne schaukeln lassen und gerne durch die Landschaft spazieren.
00:11:43: Genau und da ist unser Ziel in der Regel, dass sie sich entspannen.
00:11:47: Dass Sie dadurch auch weniger Zwanghaftigkeiten zeigen und dass Sie sich halt dadurch, dass Sie diesen Momenten mit dem Tier öffnen, auch anderen Situationen öffnet.
00:11:57: also wir versuchen dadurch auch Flexibilität zu erhöhen und den Umgang mit neuen Situationen zuzulassen und das ist das was im Nachfeld berichtet bekommen von den Eltern, was wir in Erhebungen sehen.
00:12:11: In Studien auch zum Teil sehen, dass eben diese Möglichkeit sich der Welt zuzuwenden dadurch gesteigert werden kann.
00:12:21: Fabian da ist die Jill!
00:12:24: Wollen mit der Jill Hallo sagen?
00:12:29: Prima genau kannst du sie streicheln.
00:12:35: Jetzt halten wir ihr nochmal die Hand hin und kann sie schnuppern.
00:12:40: Prima gut gemacht.
00:12:44: Wie lange dauert es dann vom Kennenlernmoment, bis das Kind sich tatsächlich zum ersten Mal traut auch auf dem Pferd zu sitzen?
00:12:52: Ja also wir lassen denen immer sehr viel Zeit weil wir möchten dass die Kinder das selber mitsteuern.
00:12:58: Das heißt gerade die die eingeschränkt sind auch in der Kommunikation eingeschrängt.
00:13:02: mit denen üben wir erstmal dass sie mit uns kommunizieren.
00:13:05: Das heisst wie bringen den bei wenn Sie nicht schon können dass sie über Bildkarten oder über ein Tablet uns zeigen können was sie machen möchten.
00:13:14: Das heißt, wir starten natürlich meistens erst mal mit Dingen die Sie kennen.
00:13:16: Also wir haben ein Bällebad oder wir haben Schaukeln Wir haben Spielmaterialien, die autistische Kinder gerne mögen und dann können sie immer erstmal quasi uns zeigen was sie machen möchten.
00:13:28: Und dann bauen wir immer wieder ein dass wir auch was tun wollen mit ihnen, zum Beispiel die Aufstiegstreppe angucken oder auf den Sandplatz gehen.
00:13:37: Und dann lassen sie sich halt immer mehr darauf ein quasi die neuen Bereiche zu erkunden mit uns und Dann zeigen wir ihnen dadurch dass eine Praktikantin zB mal aufs Pferd aufsteigt oder was immer so einen echt guter Hilfsmöglichkeit ist.
00:13:52: Die Mutter oder der Vater je nachdem wer sie bringt.
00:13:56: die steigen es erst einmal auf das fährt und dann können die Kinder dazuschauen Und die Hamts waren verringertes Nachahmungsverhalten.
00:14:04: Aber in dem Moment machen sie es schon, weil sie das doch sehr spannend finden und das heißt wenn jetzt die Mama mal zwei drei Runden geritten ist dann kriegen wir meistens die Kinder dann auch aufs Pferd.
00:14:15: Das kann bei uns bis zu zehn Einheiten dauern dass die auf dem Pferde das erste Mal sitzen.
00:14:21: Bei manchen geht es schneller.
00:14:23: Es kommen ja auch Kinder, die schon mal irgendwo Ponyreiten waren oder die schon einmal irgendwo irgendwie einfach so auf den Wert gesetzt wurden – das gibt's ja tatsächlich!
00:14:31: Und die das dann schon kennen wollen auch dann schon schneller drauf.
00:14:35: Da sind wir dann auch manchmal schon in der dritten Stunde dann auf dem Pferd.
00:14:39: Und woher weißt du welches Pferds zu welchem Kind passen könnte?
00:14:44: Wir machen immer eine Erst-Kennenlernstunde und gehen mit den Eltern und den Kindern durch den Stall.
00:14:50: Und dann merkt man manchmal schon, welches Pferd sie länger anschauen oder wo sie so körperlich ein bisschen hintendieren.
00:14:59: Das andere ist das natürlich nicht alle unsere Pferde.
00:15:02: wir testen auch tatsächlich manchmal durch dass wir halt zwei verschiedene Pferden im Wechsel machen und dann schauen welche Reaktionen finden wir bei welchem Pferdi.
00:15:11: Also es ist nicht so, dass ich ein Kind sehe und sofort oder einen Menschen sehe.
00:15:15: Und sage genau das Pferd passt!
00:15:17: Also ich finde, das ist etwas übertrieben.
00:15:20: wenn das irgendjemand sagen würde als Fachkraft, dass er das immer sofort sehen kann.
00:15:24: So gut bin ich dann halt nicht... Ich lasse auch die Menschen einfach immer gerne entscheiden weil ich finde sie haben den intuitiven Zugang dazu wo Sie anknüpfen?
00:15:34: Und an welcher Facette sozusagen welche Facette sie brauchen für ihre Eigenentwicklung.
00:15:43: Und wie reagiert dann das Pferd auf so einen ersten Kennenlernmoment, vor allem wenn vielleicht Kinder auch noch externe Spielzeuge oder irgendwas stimulierendes oder somit dabei haben?
00:15:53: Ja, also das ist schon ein langer Gewöhnungsprozess für die Pferde.
00:15:56: Dass sie halt so sicher sind dass wir sie frei stehen lassen können unangebunden und ohne dass wir jetzt immer ganz nah mit dran sind, dass die Kinder da so eigenständig hinlaufen dürfen.
00:16:06: Das kann man auch wirklich nicht einfach mit jedem Pferd machen.
00:16:10: dafür sind die wirklich lange trainiert darauf.
00:16:13: Wir haben gerne Stuten im Einsatz vor allem auch Stuten die schon Fohlen hatten weil die eher kennen das ist halt Folen, um sie herum springen unter ihrem Schweif durchlaufen.
00:16:29: Das machen nämlich autistische Kinder auch sehr gerne sich genau hinter sie stellen und diese Spielmaterialien, die ja oft auch so durch die Gegend fliegen also die schmeißen die halt auch durch den Stall und alles.
00:16:40: Also dann klar sind es Sachen, die irgendwie Geräusche machen.
00:16:44: dabei noch da müssen wir die Pferde sehr lange drauf trainieren dass die sich dann nicht erschrecken.
00:16:50: Dann kommt meistens nur einen So ein langer Ausatmer, so verpingen.
00:16:56: Puh!
00:16:56: Das war jetzt aber ganz schön stressig dass dieses Ding geflogen ist.
00:17:01: Würdest du uns dann einen kleinen Exkurs geben wie man ein so hoch sensibles Tier so trainieren kann?
00:17:08: Das fängt erst mal an mit das sie sich da wo sie leben sicher und geborgen fühlen dass sie viel Auslauf haben, dass sie viele in der Herde sind.
00:17:18: Dass Sie wissen im Umgang, dass Sie bei uns nie Gewalt erleben oder wir auch schwierige... und Stresssituationen möglichst vermeiden im Training, im täglichen Händling.
00:17:32: Das heißt die sind schon so... hat auch mit Fütterung zu tun.
00:17:35: zum Beispiel unsere kriegen jetzt keinen Hafer oder irgendwelche Kraftfuttergeschichten dass sie halt noch mehr also schneller sind in ihren Reaktionen aber das ist das glaube ich Wesentliche ist, dass es die Basis einfach.
00:17:49: Und dann sind sie bei uns sehr lange in Eingewöhnung.
00:17:51: Dann haben wir die mindestens ein Jahr zwei im Training.
00:17:55: Die lernen alles was es irgendwie an Dingen gibt, lernen Sie kennen und wir schmeißen alles um sie herum und alle Geräusche und irgendwas was wir irgendwie generieren können machen wir mit denen.
00:18:06: Genau bis wir dann sagen okay die Schreckreaktion ist aufs Minimum reduziert in dem Moment, wo ich auch dabei bin als Bezugsperson.
00:18:19: Genau deswegen sind es immer noch Pferde die erschrecken sich im Gelände.
00:18:22: wenn wir ausreiten sind immer noch wenn irgendwelche keine Ahnung Enten hochfliegen oder so.
00:18:28: das ist dadurch ja nicht ganz weg.
00:18:30: aber wir reduzieren schon diesen Fluchtreflex da durch und wir bringen ihnen bei dass sie dann stehen bleiben und nicht wegrennen.
00:18:37: Und das ist aber auch schon, fängt schon bei der Rasseauswahl beim Pferdetypus den wir auswählen an.
00:18:44: Ganz klassisch so ein Islandpferd wenn es sich erstreckt bleibt erstmal stehen und schaut ob es sich lohnt über Geroll zu flüchten.
00:18:52: also es liegt manchmal einfach in den Rassen auch schon bisschen drin ob sie mehr geeignet sind oder nicht.
00:18:59: Danke für den Exkurs.
00:19:00: Ich kann mir vorstellen, dass das für viele, die jetzt zuhören und keinen Kontakt zum Pferd haben, wirklich total spannend ist.
00:19:05: Und natürlich auch für alle, die Kontakt zum pferd sind.
00:19:07: Aber es ist einfach so eine ganz neue Welt, die sich da wahrscheinlich auf vielen Zuhörnern eröffnet.
00:19:13: Dann würde ich sehr gerne mit dir einmal in die Therapiestunde springen.
00:19:17: Wie läuft so ne Therapiestune ab?
00:19:19: Es gibt viele Möglichkeiten.
00:19:21: Ganz klassisch wäre jetzt wir begrüßendes Pferddt.
00:19:24: Wir machen es zum Reiten.
00:19:26: fertiges heißt putzen, wir fassen es an.
00:19:30: Wir fühlen mal wo sind harte weiche Stellen?
00:19:33: Wo ist noch Dreck?
00:19:34: Lernen ein bisschen die Pferdesprache dabei.
00:19:37: was markenpferd, was mag es nicht?
00:19:39: und so genau.
00:19:40: Und dann wäre klassischerweise eine Reizequenz für versuchen gerade im Autismus Spektrum die Kinder zwanzig bis dreißig Minuten im Minimum auf dem Pferd zu haben in der Schritt- und Trabbewegung damit diese Bewegungsimpulse auch psychisch wirken können.
00:19:55: Und dann haben wir eben noch eine Verabschiedungsequenz, wo wir das Pferd wieder in den Stall bringen.
00:20:00: Wieder die Herde verabschieben und dann das Kind wieder zurückbringen zu den
00:20:04: Eltern.".
00:20:05: Was sind die psychischen Effekte, die da wirken können?
00:20:08: Wir sehen schon in der Schrittbewegung – man weiß es ja schon lange so aus der Hypotherapie -, dass das eben die Extremitäten lockert und den Rumpf stabilisiert also den Körper quasi stabiler macht weil er auf Man aufrecht sitzen muss auf dem Pferd und die Arm- und Beine sich lockern können in der Schrittbewegung.
00:20:28: Wir wissen ja, dass Körper-, Geist- und Seele zusammenhängen und dass sich körperliche Dinge wie eine Körpertherapie psychisch auswirken.
00:20:38: Das haben wir eben auch als Effekte dann auf psychischer Ebene.
00:20:41: also wir haben eine Lockerungen und eine Entspannung in der Schrittbewegungen und die Trabbewegungs- die nutzen wir jetzt in der therapeutischen Arbeit noch sehr viel.
00:20:49: gerne auch den Galopp wenn die Kinder halt so lange bei uns sind und es irgendwann auch können, auch von sich aus sich als Gründen.
00:20:55: Dass wir eben dieser eher aktivierenden und stimulierenden Gang Bilder eben auch nutzen.
00:21:04: Also Kinder fangen an zu lachen.
00:21:06: im Trab oder Menschen immer, wenn sie das erste Mal auf dem Pferd sitzen und passiv traben ist heißt ihr müsst selber nichts tun.
00:21:12: die sitzen einfach nur und werden quasi getrabt.
00:21:15: dann fangen Sie an zu Lachen.
00:21:16: und auch Kinder die nicht sprechen im Autismus Spektrum schwer betroffenen Menschen die fangen so lustig an zu lautieren machen so wenn sie getrapt werden.
00:21:27: Das ist immer ganz witzig, genau.
00:21:29: Danach sind die auch sehr gelockert und gelöst und sind häufig dann auch erst in der Lage mit uns irgendwie mehr zu machen auf dem Pferd, dass wir noch Spiele spielen oder versuchen Kommunikation anzubahnen.
00:21:41: Da habe ich einige Kinder, die immer erstmal traben müssen bevor das möglich
00:21:45: wird.".
00:21:46: Kann dann diese Schaukelbewegung auf dem Ferd die Grundstimulation, die sonst vielleicht durch Spielzeug oder so herbeigeführt wird?
00:21:53: ersetzen, dass das Kind da so rezeptiv für dich wird?
00:21:56: Ja, das versuchen wir.
00:21:57: Wir haben häufig, sodass die am Anfang noch sehr viel von diesen Materialien, die sie mithaben auch auf dem Pferd haben... Also wir sind schon gegritten mit Duschköpfen und irgendwelchen... Puddingbechern und natürlich auch irgendwelchen stimulierenden Sachen, irgendwie Tablets die dann irgendwie Musik machen und so.
00:22:18: Das ist teilweise für mich dann sehr anstrengend dieses ganze Geräuschpegel zu haben.
00:22:23: und dann haben wir alles mit auf dem Pferd und das versuchen wir nach und nach zu reduzieren.
00:22:28: Und dann ist es für uns tatsächlich ein Highlight, wenn ein Kind dann irgendwann ruhig entspannt mit Augen offen ohne Eigenstimulation völlig glücklich auf dem Pferd sitzt und die Landschaft anschaut.
00:22:41: Also das ist so das, wo man danach erdenkt ah was machen die da eigentlich?
00:22:44: Das sieht ja langweilig aus!
00:22:46: Und das sind sozusagen eines unserer Endzustände oder... Und dann kommen wir, wenn das mal gelingt, dann auch nochmal in eine produktive Kommunikation.
00:22:58: Wow!
00:22:59: Okay, das heißt ein langfristiger positiver Effekt ist vielleicht wirklich eine neue Art von Konzentration oder konzentrierterer Fokus.
00:23:07: Gibt es sonst noch langfristige Effekte die damit als Ziel bestehen?
00:23:11: Ja also was wir halt finden ist dass eben diese sich auf neue Situationen einlassen weil da haben ja auch die Menschen dann halt im Alltag so schwer mit zu kämpfen oder sie kommen irgendwo hin und es ist irgendwie wieder etwas Neues und Sie können sich nicht darauf ein lassen sind überfordert Verhaltensweisen sich zurückzuziehen, sich vielleicht sogar selbst zu verletzen und so weiter.
00:23:34: Und das scheint sich tatsächlich zu reduzieren.
00:23:37: Die Datenlage ist da einfach noch zu schwach und leider gab es mal einige Studien für den Autismus-Spektrum in der Pferdegestützenarbeit.
00:23:46: aber da ist die Karawane ein bisschen weitergezogen im Feld.
00:23:50: Nach so fünf, sechs Studien, die sehr vielversprechend waren ist dann irgendwie der Forschungsfokus eher Richtung Depression und Trauma jetzt in der Pferde gestützten Therapie leider.
00:24:01: Ich denke das ist noch nicht fertig dass man sich das anschaut.
00:24:04: wir befragen ja immer viel unsere Eltern und machen Evaluationen und so und die merken das schon wenn so längere Pausen entstehen dass sie dann halt sich melden und sagen, es wäre schön.
00:24:15: Wir könnten wieder
00:24:16: kommen.".
00:24:16: Und auch die Regelmäßigkeit einmal die Woche oder vierzehntägig.
00:24:20: zumindest über Jahre hinweg haben wir mit den Kindern und Jugendlichen, dass hier einfach gut durch die Pubertät kommt und das einfach dieser Entspannungs- und diese eben auf neue Situationen Einlasseffekt sozusagen bleibt.
00:24:36: Gibt es auch auf deinem eigenen Hof Forschung zu dem Thema?
00:24:39: Also im Moment leider nicht, aber wir haben so Einzelfallstudien über mehrere Jahre gemacht und die waren eigentlich auch sehr viel versprechen.
00:24:49: Und haben das eigentlich gestützt was aus den USA und so auch aus den einzelnen Forschungsstudien kamen also dieses verringerte Zwanghaftigkeit und stehlo-typin, mehr Entspannung und mehr Kommunikationsinhalte.
00:25:05: Also das fängt mit Tierlauten an, dass sie die machen und dass sie aber auch anfangen.
00:25:10: also seine Highlight war ja auch mal ein Junge bei uns.
00:25:14: nach zwei drei Jahren war das dann auch erst tatsächlich ein erstes Wort.
00:25:20: sehr präzise Spraches viel ihm unglaublich schwer das rauszubringen.
00:25:25: Das Wort Ball wurde dann halt beim Ballspiel vom Pferd aus dann doch so gut etabliert, dass das irgendwann auch von Boden her konnte sozusagen.
00:25:35: Erst ging es nur reitend und mit dieser hohen Motivation und dann ging's irgendwann auch außerhalb.
00:25:51: Komm, dann reiten wir da rüber!
00:25:58: Ich möchte den Ball... Genau!
00:26:03: Sag das nochmal ich möchte den ball prima und dann kannst du ihn werfen.
00:26:15: Könntest du uns noch ein bisschen erzählen, was für Aufgaben und Spiele man da so spielen kann während der Therapiestunde auf dem Pferd?
00:26:21: Also beim Autismus-Spektrum ist tatsächlich schon wichtig.
00:26:24: Ein bisschen etwas zu spielen häufig damit sie halt auch konzentriert auf den Pferde drauf bleiben.
00:26:29: Wir spielen viel Ball, wenn die Kinder Bälle mögen.
00:26:32: Wir haben einen Basketballkorb am Reitplatz wo die Kinder reinwerfen können zum Beispiel vom Pferd aus.
00:26:38: Wenn sie dann ein bisschen mehr Inhalt schon irgendwie sich miteinander setzen, dann spielen wir mit Farben, farbgegenständen Formen.
00:26:47: Wir sind aber auch tatsächlich einfach gerne draußen unterwegs und um eine Natur, oder?
00:26:51: Und dann schauen wir lieber dass wir mit denen irgendwie durch irgendwelche Blätter reiten.
00:26:54: Dass sie das halt irgendwie meine Kopf einziehen lernen so ein bisschen sensorische Aufgaben mit denen auch im Gelände dann machen.
00:27:03: Dann würde ich gerne zum fast Abschluss einmal über die Finanzierung sprechen der Therapie.
00:27:09: könntest du dazu was sagen?
00:27:11: Also im Autismus Spektrum gibt es da eigentlich gute Möglichkeiten, weil es ja die Eingliederungshilfe gibt und auch diesen Forderungen nach mehr Inklusion.
00:27:21: Auch in Freizeit usw.
00:27:23: Bildung.
00:27:24: Und da kann sich eigentlich die Tier- und Pferdegestütztearbeit mit einreihen.
00:27:28: Die Familien können das eben im Rahmen der Eingliederungshhilfe dann finanzieren lassen.
00:27:34: Da ist ein Beispiel das persönliche Budget dass ihnen zusteht, also den Kindern wie auch Erwachsenen mit Behinderungen.
00:27:42: Ansonsten sind wir sehr viel spendenbasiert.
00:27:45: Also der Hof braucht halt immer viel Sponsoren und Spendengelder um zu existieren.
00:27:51: Genau und es gibt auch Eltern die hat auch selber Zahlen.
00:27:54: wenn das dann eben über die Eingliederungshilfe oder so nicht funktionieren würde
00:27:58: Alles klar Annette, du hattest eben schon so einen berührenden Therapiehofmoment mit uns geteilt.
00:28:04: Das erste Wort eines Kindes das jahrelang zum Reiten und Ball spielen kam.
00:28:09: Hättest du vielleicht noch eine schöne Abschiedsgeschichte vom Hof für uns?
00:28:13: Wir haben im Moment sehr viel lustige Momente und lachen sehr viel mit Klienten.
00:28:17: Und auch wir im Team über unsere Hühner, also die geben uns sehr viel Freude im Moment weil sie dürfen bei uns frei rumlaufen.
00:28:24: Wir haben nur fünf!
00:28:26: Die sind aber überall und die laufen uns ständig in die Stunden rein und da müssen wir doch immer sehr lachen was die dann so tun wenn die halt mit über den Reitplatz laufen oder plötzlich in unserer Schubkarre sitzen und ansonsten beim Autismus Spektrum auch.
00:28:39: im speziellen sind es die Momente wo so eine zwischen dem Tier und dem Kind entsteht.
00:28:44: Das ist meistens vom Boden, wenn sie so sehr nah am Kopf der Pferde stehen und die Pferden auch ganz ruhig werden und ganz still und das wie eine Bubble um die herum entsteht.
00:28:55: und die Momente, die feiern wir, wie man das heutzutage so schön sagt immer sehr und freuen uns immer unglaublich, wenn das entsteht, dass so innige Momente zwischen Tier- und Kind da sind Und das ist das, was auch glaube ich uns immer so trägt.
00:29:10: Dann diese Arbeit rund ums Pferd und auch die Ausbildung von denen zu machen weil das ganz tolle Momente sind, die wir eben sehr sehr lieben.
00:29:18: Ja es ist schon beim Zuhören total berührend!
00:29:21: Vielen vielen Dank dass du uns heute den Einblick in den Hof und in deine Arbeit gewährt hast.
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