KurzGefasst: Neuer Signalweg der pathologischen Gefäßneubildung im diabetischen Auge
Shownotes
Warum sprechen manche Patientinnen und Patienten mit diabetischer Retinopathie nicht ausreichend auf Anti-VEGF-Therapien an – und gibt es alternative Angriffspunkte für neue Behandlungsstrategien? In dieser Folge von „KurzGefasst" stellen wir eine aktuelle Studie aus Nature Communications vor, in der ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Prof. Jens Kroll von der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg einen bislang unbekannten Signalweg der pathologischen Gefäßneubildung im Auge identifiziert hat.
Im Mittelpunkt steht das reaktive Lipidaldehyd 2-Hexadecenal (2-HD), ein Stoffwechselprodukt von Sphingosin-1-Phosphat (S1P). Normalerweise wird 2-HD durch das Enzym ALDH3B1 entgiftet – fehlt dieses Enzym, akkumuliert 2-HD und hemmt gezielt den S1P-Rezeptor 5 (S1PR5), was zu einer Fehlregulation der Gefäßbildung führt. Zudem stört 2-HD den Eisenhaushalt der Zellen und treibt sie in die Ferroptose. Diese Befunde wurden im Zebrafischmodell erhoben und in humanem Augengewebe mit diabetischer Retinopathie bestätigt.
Wir diskutieren, welche therapeutischen Perspektiven sich aus dieser neu identifizierten 2-HD/S1PR5-Signalachse ergeben, warum bereits zugelassene S1PR5-Modulatoren aus der MS-Therapie hier besonders vielversprechend sind und welche Fragen klinische Studien noch klären müssen.
Quelle:
Qian X, Ge R, Chu Y et al. Nat Commun. 2026;17:3488. doi: 10.1038/s41467-026-71792-3
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Transkript anzeigen
00:00:10: Eine Patientin mit langjährigem Diabetes-Melitus berichtet von zunehmenden Sehstörungen.
00:00:16: Bei der Funduskopie zeigen sich typische Zeichen einer proliferativen, diabetischen Retinopathie mit pathologischen Gefäßneubildungen die die Netzhaut bedrohen.
00:00:26: Die aktuellen Therapieoptionen vor allem AntiVegF Injektionen sind zwar wirksam aber invasiv, kostenintensiv und müssen wiederholt werden.
00:00:38: Nicht alle Patienten sprechen ausreichend darauf an.
00:00:41: Genau hier setzt eine neue Studie an, die kürzlich im Fachjournal Nature Communications erschienen ist.
00:00:48: Ein internationales Forscher-Team unter der Leitung von Prof.
00:00:52: Jens Kroll, von der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg hat einen bislang unbekannten Signalweg identifiziert, der zur pathologischen Gefäßneubildung im Auge beiträgt und möglicherweise neue therapeutische Ansatzpunkte eröffnet.
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00:01:30: Die Forscher nutzten ein Zebrafischmodell kombiniert mit Daten von Patienten mit krankhaften Gefäßneubildungen im Auge.
00:01:37: Die Augen der Zebrafische sind transparent, die Gefäßentwicklung lässt sich in Echtzeit beobachten und genetische Manipulationen sind vergleichsweise einfach durchführbar.
00:01:48: Die Wissenschaftler schalteten gezielt ein Enzym namens ALDH-IIIB I aus und beobachteten die Folgen.
00:01:57: Ergänzend führten sie detaillierte chemische Analysen und Genaktivitätsprofile durch um die molekularen Mechanismen zu entschlüsseln.
00:02:07: Die Ergebnisse wurden anschließend mit Daten aus menschlichen Augen mit diabeteser Retinopathie abgeglichen.
00:02:13: Die Stärke dieser Studie liegt in der Kombination aus Grundlagenforschung und translationalem Ansatz.
00:02:20: Eine Limitation ist die Übertragbarkeit auf den Menschen, allerdings stärkt die Bestätigung der Befunde in menschlichem Gewebe – die Relevanz der Ergebnisse erheblich.
00:02:31: Im Mittelpunkt der Studie steht Sphinosineinsphosphat kurz S-I-P.
00:02:36: S-Insp ist bekannt für seine Rolle in der Regulation von Gefäßwachstum, Entzündung und Gewebereparatur.
00:02:44: Bislang war unklar ob auch seine Stoffwechselprodukte biologisch aktiv sind.
00:02:49: Die Forscher konnten nun zeigen dass ein kleines reaktives Lipidaldehyte namens zwei Hexadezinal kurz Zwei HD eine entscheidende Rolle spielt.
00:03:00: Normalerweise wird zwei HD durch das Enzym ALDH-IIIB I entgiftet.
00:03:07: Fehlt dieses Enzym sammelt sich zwei HD an, Zebrafische ohne ALD H IIIb I entwickelten spezifisch im Auge ein Gefäßmuster dass dem späten Stadion menschlicher Netzhauterkrankungen ähnelte.
00:03:23: Dieser Prozess war reversibel, wenn die Wirkung von zwei HD blockiert wurde was auf einen kausalen Zusammenhang hindeutet.
00:03:32: Die Forscher identifizierten den S-I-P Rezettler V, kurz S- I PRV als zentralen Schalter.
00:03:40: S-II PRV wird gezielt von zwei HD gehemmt was zu einer Fehlregulation der Gefäßbildung führt.
00:03:48: Zudem stört zwei HD den Eisenhaushalt der Zellen und treibt sie in Richtung Veroptose eine eisenabhängige Form des Zelltots die durch unkontrollierte Lipid per Oxidation gekennzeichnet ist.
00:04:01: diese pathologisch Prozesse schädigen direkt die Blutgefäße der Netzhaut.
00:04:06: Die Studie erweitert unser Verständnis der molekularen Grundlagen von Gefäserkrankungen des Auges erheblich.
00:04:13: Sie zeigt, dass neben VEGF weitere Signalwege zur pathologischen Angiogenese beitragen – die neu identifizierte Signalachse rund um zwei Hexadezinal und S-I PRv eröffnet alternative Therapieansätze.
00:04:31: Denkbar wären Medikamente, die entweder zwei HD gezielt haben oder den S-IPR fünf Rezeptor stabilisieren.
00:04:40: Besonders vielversprechend ist, dass für die Behandlung der Multiplensklerose bereits S-IPR fünf Rezeptormodulatoren im klinischen Alltag eingesetzt werden.
00:04:50: Es gibt also zugelassene Medikamente, die an diesem Mechanismus ansetzen – das könnte die Entwicklung neuer Therapien für Augenerkrankungen deutlich beschleunigen!
00:05:00: Allerdings befinden wir uns noch in der präklinischen Phase.
00:05:03: Klinische Studien am Menschen stehen noch aus….
00:05:07: Einige Fragen bleiben offen.
00:05:09: Wie genau lässt sich der zwei HDS-IPR-V Signalweg beim Menschen therapeutisch beeinflussen?
00:05:16: Welche Dosierungen wären nötig?
00:05:18: Gibt es systemische Nebenwirkungen, wenn S-I PR-V Modulatoren die für Multiplisklerose zugelassen sind bei Augenerkrankungen eingesetzt werden?
00:05:29: Auch die Rolle von A LDH-III B I ist noch nicht vollständig geklärt.
00:05:35: Gibt es genetische Varianten dieses Enzyms, die das Risiko für diabetese Retinopathie oder Marculadegeneration erhöhen?
00:05:43: Könnten solche Varianten als Biomarker dienen?
00:05:46: Die Studie konzentriert sich auf Veroptose als zentralen Mechanismus.
00:05:51: Veroptase ist ein relativ junges Forschungsfeld, es wird spannend sein zu sehen ob sich hier weitere therapeutische Ansatzpunkte ergeben – nicht nur für Augenerkrankungen sondern möglicherweise auch für andere Gefäßerkrankung.
00:06:05: Diese Studie liefert erstmals einen direkten Zusammenhang zwischen einem S-I-P-Metaboliten und der Regulation von Gefäßwachstum im Auge.
00:06:14: Sie zeigt, dass die Hemmung von S-IPR-V durch zwei HD zu Ferroptose und pathologischer Angiogenese führt.
00:06:24: Auch wenn klinische Studien noch ausstehen, könnte dieser Ansatz mittelfristig eine wichtige Ergänzung oder Alternative zur Anti-V EGF Therapien werden.
00:06:36: Das war kurz gefasst von MGO Medizin.
00:06:39: Vielen Dank fürs Zuhören – bis zum nächsten Folge!
00:06:43: Die Quelle dieser Studie finden Sie in der Beschreibung dieser Podcastfolge.
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