Klinikgeburt – Wissen vermitteln, aufklären und Kommunikation im Kreißsaal verbessern | Expertentalk
Shownotes
Was erwartet werdende Eltern wirklich im Kreißsaal – und warum klaffen Erwartung und Realität so oft weit auseinander?
Nina Hoffmann spricht mit Dr. med. Richard Krüger, Assistenzarzt mit Erfahrung in der Geburtshilfe an der Berliner Charité und Autor des Buches „In der Geburtsklinik: Alles, was man wissen muss", über die Lücken in der Geburtsvorbereitung und das, worüber viel zu selten offen gesprochen wird.
Warum erleben so viele Frauen die Geburt als überwältigend – obwohl sie einen Vorbereitungskurs besucht haben? Was bedeutet es, Empathie und medizinische Professionalität im Kreißsaal zu vereinen? Und welche Rolle spielen Kommunikation, Aufklärung und interdisziplinäre Zusammenarbeit für eine sichere und würdevolle Geburtshilfe?
Freuen Sie sich auf ein Gespräch, das ehrlich benennt, was viele nur ahnen – und das zeigt, wie mehr Wissen, bessere Vorbereitung und ein offener Dialog das Geburtserlebnis nachhaltig verändern können. Für alle, die verstehen möchten, warum sachliche Aufklärung der größte Schutz vor Traumatisierung ist.
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Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich willkommen heute Morgen zum MGO Medizinexperten-Talk in der Gühne.
00:00:06: Ich habe heute zu Gast den Herrn Dr.
00:00:08: Milliter Richard Krüger.
00:00:10: Ganz herzlich Willkommen, Herr Dr.
00:00:12: Krüge!
00:00:13: Vielen Dank.
00:00:14: Guten Morgen Frau Hoffmann.
00:00:15: Guten morgen.
00:00:16: Darf ich Sie als Allererstes bitten sich ganz kurz vorzustellen?
00:00:20: Sehr gerne.
00:00:21: Mein Name ist Richard Kruger und ich bin dreidreißig Jahre alt, habe also kürzlich erst Geburtstag gefeiert und jetzt auch kurz vorm Facharzt Also jetzt im Sommer soll es soweit sein und arbeite an einem Maximalversorger.
00:00:35: Jetzt aktuell mit einer kleineren Geburtshilfe, mehr Fokus auf Gynäco-Onkologie habe aber einige Jahre an der Berliner Charité in der Geburzmedizin gearbeitet.
00:00:44: Und aus dieser Zeit ist eben auch ein Buch entstanden was ich geschrieben habe um werden der Eltern etwas besser auf die Geburt in der Klinik vorbereiten zu können.
00:00:54: Vielen Dank!
00:00:55: Alles Gute Nacht!
00:00:55: Nicht zum Geburtstag!
00:00:58: Vielen herzlichen Dank!
00:01:00: Sie haben es gerade eben schon gesagt, sie haben mehrere Jahre Erfahrung an der Charité in der Geburtshilfe sammeln können und sie haben daraus schon an einem relativ frühen Punkt in ihrer Karriere die Entscheidung getroffen ein Buchprojekt zu starten das sie eben schon erwähnt haben.
00:01:21: Möchten Sie uns kurz mal ein bisschen mitnehmen was sie bewegt hat dieses Projekt ins Leben zu rufen?
00:01:30: Sehr gerne.
00:01:32: Das Arbeiten in der Geburtsklinik, so heißt übrigens auch mein Buch, hat mich als junger Mann ein bisschen ganz neue Tatsachen gestellt und eine ganze neue Welt geworfen.
00:01:44: Und ich bin immer ein bisschen davon ausgegangen dass Ich damit alleine Bin weil ich Als junger mann vielleicht eine gewisse Distanz zu Geburtstätig Themen habe hatte mir sehr schwer vorstellen können, wie zum Beispiel das Kind durchs Becken rotiert habe.
00:02:02: Mir sehr schwer vorstellen können wie der Geburtsprozess von Stappen geht und war extrem aufgeregt von meinen ersten Diensten und dachte immer naja die werden in Eltern, die haben ja im Gegensatz zu einem Geburtenvorbereitungskurs besucht.
00:02:14: Die müssen ja eigentlich jetzt perfekt vorbereitet sein.
00:02:17: und hab aber festgestellt sobald Menschen, die klinik betreten aus welchem grund auch immer sei es mit etwas ganz vorhersehbaren wie zum Beispiel den regelmäßigen wehen oder den blasen sprung aber auch wenn Unvorhergesehenes eintritt also komplikation sind eigentlich alle vollkommen überfordert bestresst und Haben eigentlich was ganz anderes erwartet.
00:02:38: Und dann habe ich mich so ein bisschen auf die reise begeben um herauszufinden warum ist das eigentlich so?
00:02:45: Ich nutze viel in den aufklärungen der klinika ein bisschen bildliche Sprache, Alltagsbeispiele umwerden in Eltern oder grundsätzlich einfach auch Patientinnen die Medizin zu erklären anhand von Beispielen, die sie aus ihrem Alltag kennt.
00:03:00: Und da nehme ich jetzt zum Beispiel mal das Beispiel einer Führerscheinprüfung.
00:03:05: und Leute machen Führer Scheinen und wollen diese Prüfungen gehen und fallen aber alle durch.
00:03:11: Dann würde man ja sagen Ich war überhaupt nicht auf diese Fahrprüfungen vorbereitet.
00:03:16: Dann würde man ja sagen, das war kein guter Führerschein-Vorbereitungskurs.
00:03:23: Und ich glaube es ist auch so dass auf der anderen Seite viele Menschen die Geburtsvorbereitungskurse machen gar nicht mit aktiver Geburtshilfe zu tun haben.
00:03:34: Ich kenne selber fantastische Hebammen dieser dreißigvierzig Jahren im Betrieb arbeiten in der Klinik Arbeiten und selber dementsprechend ihre Fokus auf die Betreuung während der Geburt legen keine Geburtsvorbereitungskurse machen und selber sich die Haare rauchen und sagen, was wurde denn eigentlich dort außerhalb unserer Klinik eigentlich beigebracht?
00:03:54: Und es gibt viele Hebammen, die zum Beispiel eine Hebammausbildung oder mittlerweile Hebamme Studium gemacht haben.
00:04:01: Aber danach gar nicht mehr in die tatsächlich aktive Geburzhilfe gehen sondern dann sich selbstständig machen mit Geburzvorbereitungen mit vielleicht auch Vorsorgen.
00:04:11: Das bedeutet, dass individuell die eins zu eins Betreuung zu Hause von Schwangeren stattfindet und auch die Nachsorge.
00:04:17: Also wenn das Kind zuhause dann in die Familie bereichert, diese Familien zu betreuen.
00:04:23: Ich denke, das ist einer der wesentlichen Problempunkte, dass gerade Geburtsvorbereitung nicht von Leuten gemacht wird weder von Hebammen noch von Ärztinnen, die tatsächlich in der aktiven Geburthilfe tätig sind.
00:04:36: Und zweitens ist es so, dass einfach ob man das gut findet oder nicht ein ganz großer Teil der Geburtshilfe heutzutage mit Intervention zu tun hat.
00:04:44: Heutzutag ist Geburthilfe sehr sicher.
00:04:47: Es ist fast unmöglich unter der Geburt, weder für Frauen noch für Kinder zu versterben.
00:04:52: Gott sei Dank!
00:04:53: Das war vor hundert Jahren noch ganz anders.
00:04:54: da ist bei jeder Zwarhunderten Geburt eine Frau verstorben.
00:04:59: Stattdessen haben wir heute nicht mehr das Problem, dass Leute während der Geburt versterben sondern Geburt als traumatisch erleben und empfinden.
00:05:06: Und sicherlich ist das einerseits auch Intervention aber vor allem ist es sicherlich auch Intervenzion oder eine Überforderung von einem Geburtsszenario was man nicht erwartet hat und was man Nicht versteht was vielleicht auch während der Situation während des momentes nicht gut kommuniziert wurde weil vielleicht Personal eine Sprachbarriere hat, weil die Patientin oder die Schwangere eine Sprachtbarriera hat.
00:05:34: Weil auch in der Situation und überhaupt nicht mehr aufnahmefähig in einer Stresssituation viel neue Informationen ist.
00:05:41: Und weil aber auch irgendwie gute Vorbereitung weder vorher stattgefunden hat, aber auch im Nachhinein häufig auch die Briefings-Nachgespräche in den Kliniken nicht stattfinden.
00:05:51: All das hat mich dazu gebracht, dass ich dachte, irgendwie muss doch mal einer aufschreiben.
00:05:55: Was standardisiert in jeder Klinik passiert?
00:05:58: Ganz egal ob es ein Klinikum in der sehr hohen Versorgung ist, ein sogenanntes Perinatal Level-I Zentrum gibt's das Level II Zentrum die Kliniken mit perinatalem Schwerpunkt Das ist Level III und die einfache Geburtsklinik das ist Level IV Und ich habe jetzt mittlerweile in beiden Leveln gearbeitet, eins und vier.
00:06:18: Also beide Enden der Fahnenstangen und kann sagen es gibt viel Spannendes zu berichten, viel Spanndes zu lernen.
00:06:24: Und je mehr man einfach weiß, desto mehr hat mir die Möglichkeit seinen eigenen Geburtsprozess einerseits zu verstehen und auf der anderen Seite aber auch einzufordern was man vielleicht haben möchte während der Geburt.
00:06:36: Deswegen hab' ich mal dieses Buch geschrieben.
00:06:39: Also ganz kurz zusammengefasst gute Aufklärung und viel Wissen im Vorfeld, Kraft, Sicherheit.
00:06:48: Und kann vielleicht auch sogar ... im Endeffekt Traumatisierung vermeiden?
00:06:53: Da bin ich mir sehr sicher, dass das so ist.
00:06:56: Ich denke es ist natürlich schöner sich über ein problemloses komplikationsloses Szenario zu informieren.
00:07:05: Aber es trügt der Schein zu sagen, dass eine Geburt entspannt, unkompliziert, schmerzfrei und einfach so gelingt.
00:07:14: Es ist sehr schön, wenn das so klappt.
00:07:16: Und es ist auch ein Prozess der natürlicherweise funktioniert.
00:07:19: aber es ist eben auch ein prozess, der ... Wenn man viele Frauen fragt und auch der medizinischen Evidenzglauben schenkt einer der Schmerzhaftesten eine der vulnerabelsten und auch einer der gefährlichsten Momente in Leben einer Frau isst und das ständig zu verklären und zu sagen, dass es vielleicht muss der schönste Moment des Lebens sein Das, glaube ich, wird der Sache nicht gerecht und bringt gerade Erstgebärende und ihre Familien dazu mit einer ganz falschen Einstellung zur Geburt in die Klinik zu kommen.
00:07:50: Und eigentlich dann davon total überrascht zu werden was eigentlich mit ihnen dort passiert.
00:07:55: Allein wie Statistik sagt jede fünfte Gebot in Deutschland erfährt eine Geburtseinleitung.
00:08:01: Jede vierte Schwangerin nutzt die Möglichkeit einer PDA.
00:08:03: jedes dritte Kind in Deutschland kommt per Kaiserschnitt zur Welt Alleine, wenn man das mal so zusammennimmt.
00:08:08: Natürlich gibt's auch die Frau, die eingeleitet wird eine PDA bekommen und einen Kaiserschnitt.
00:08:13: also es ist natürlich möglich dass sie sich hier die Gruppen überschneiden aber sicherlich wird weit über die Hälfte der Frauen während der Geburt und sei es nur ein bisschen Oxytocin nach der Gebot des Kindes gespritzt zu bekommen irgendeiner Art der medizinischen Intervention erfahren.
00:08:29: und Achtundneunzig-Kommer fünf Prozent achtundneutzig-kommmer fünf prozent Der frauen gebährenden kliniken.
00:08:36: Es ist also alles andere als so, als würden ganz viele Frauen gar nicht das Klinikleben erfahren.
00:08:43: Sondern auch als kerngesunde junge Frauen kommen sie in Kliniken gebären.
00:08:49: dort können dort das Sicherheitsnetz einer Klinikum nutzen haben vollem Umfang fänglich Zugriff auf die Professionalität der heutigen Medizin.
00:08:59: Aber es ist sicherlich auch eine sehr große Herausforderung, das alles zum ersten Mal durchzumachen.
00:09:04: Wenn man dann unbevorbereitet reingeht wird man sicherlich davon überrascht gestresst und die Erwartungen häufig enttäuscht.
00:09:12: Jetzt gehen wir mal im übertragenen Sinne in den Kreissaal.
00:09:16: Sie haben's gerade schon gesagt Es ist ne absolute Ausnahme Situation für die Frauen und sicherlich auch für ihre Begleitung.
00:09:24: Und gleichzeitig haben wir heutzutage in der Geburtshilfe, die sehr stark von Interventionen geprägt ist.
00:09:31: Wie findet man da das Gleichgewicht?
00:09:34: Wenn man von medizinischer Seite diese Geburt betreut, dass man sagt ich kann sowohl auf dieser extrem emotionalen Patientinnen eingehen aber gleichzeitig eine sichere Geburtshilfe leisten.
00:09:51: Also was würden Sie da jetzt zum Beispiel Neulingen, die neu im Kreiswahl anfangen mit auf den Weg geben?
00:09:59: Was wären da so Ihre Tipps?
00:10:03: Ich denke, da gibt es ganz verschiedene Aspekte, die ich über die letzten sieben Jahre meiner Assistenzarzeit gesammelt habe und ich würde auch sagen dass ich heutzutage anders auf viele Dinge blicke als zu anfangen.
00:10:18: Deswegen ist es nicht verkehrt.
00:10:20: Ich hätte mir folgende Dinge damals selber gesagt, ich weiß gar nicht ob ich allgemeingültige Plätze für andere Menschen sagen kann aber was hätte ich vielleicht meinen jüngeren ich gerne gewünscht?
00:10:29: Ich glaube das also zunächst einmal ganz wichtig ist der Unterschied zwischen Empathie und Sympathie.
00:10:34: Empathy ist eigentlich die Fähigkeit sich in jemanden hineinversetzen zu können.
00:10:40: Es ist aber auch die Möglichkeit objektiv jemandem zu beraten und in seiner Situation begleiten zu können, ohne dabei selber mitzufühlen.
00:10:53: Ich habe schon viele Kolleginnen und Kollegen kennengelernt die Empathie und Sympathie los sind.
00:10:59: es hat ganz viel sehr sympathische Kolleginnen und Kolleginnen erlebt Und ich finde gerade diese die Empathy zu sagen ich verstehe warum sie hier sind ich versteh ihre Sorgen Aber aus diesem diesen diesen Grund können wir sich gut betreuen.
00:11:14: das ist auch etwas was eigentlich Patientinnen gerne wollen.
00:11:17: Sie wollen nicht, dass ich auch vor Glück mitweine und sie wollen auch nicht, das ich vorkomme mit weine, wenn etwas problematisch passiert, sondern dieser objektive Berater zu sein der trotzdem menschlich ist und den Leuten das Gefühl gibt, dass sie verstanden werden?
00:11:31: Das ist glaube ich erst mal einer der Schlüsse zum Erfolg diesen stressigen Beruf als Arzt und gerade auch in der Geburtshilfe gut erleben zu können.
00:11:40: Wenn ich nach Hause gehe egal was ich erlebt habe scharf ich.
00:11:43: es ist auch von mir zu loszulösen und nicht alles mit nach Hause zu nehmen, was ich in der Klinik erlebe.
00:11:49: Und auch nicht am nächsten Tag wenn ich wieder in die Klinique komme es dann wieder mitzunehmen.
00:11:55: Eine andere Sache die dabei wahnsinnig gut hilft ist sicherlich auch das Gespräch mit Kolleginnen und auch das professionelle Gespräch darüber.
00:12:01: Es gibt zum Beispiel... Supervision, Bar-Lind-Gruppen.
00:12:05: Das hat jeder schon mal gehört der in der Geburtshilfe tätig ist denn wir machen im Rahmen der Facharztausbildung auch immer psychosomatische Grundversorgungsfortbildungen mit vielen viel stündigen Gesprächsreihen mit Kolleginnen und Kollegen um einfach immer zu besprechen was gab es vielleicht für Situationen im Collegium oder aber auch während der Geburt, mit Patienten, die uns belastet haben.
00:12:28: Aus welchem Grund auch immer?
00:12:30: Das mag natürlich ein Notfall gewesen sein, das mag vielleicht auch die eigene Unkenntnis, die eigene Unfähigkeit gewesen sein und einfach ein schwieriges Gespräch.
00:12:38: Und es ermöglicht einem so ein bisschen zu realisieren, dass man nicht alleine ist, dass es einen professionellen Weg gibt damit umzugehen.
00:12:46: Mit jeder schwierigen Situation gibt es in der Regel einen professionell Weg damit umzugehen.
00:12:51: Wenn man dieses Handwerkzeug dabei hat dann ist man ein bisschen besser auf die Arbeit in der Klinik vorbereitet.
00:12:58: Natürlich ist es auch, dass ein gutes soziales Umfeld einen gut auffangen kann, sei's die Partnerschaft, sei es Freunde aber auch Sport beispielsweise oder einfach mal abends auszugehen also auf andere Gedanken zu kommen.
00:13:12: Ist etwas was mir persönlich viel geholfen hat.
00:13:14: ich bin zum Beispiel einer der wenigen Ärzte die in seinem privaten Freundeskreis relativ wenig Ärztinnen und Ärzten hat Und ich habe immer für mich so einen relativ klaren Strich zwischen beruflichem Leben und privatem Leben ziehen können.
00:13:27: Und denke, dass mir persönlich das gut getan hat und würde auch den Menschen empfehlen sich irgendeiner Form von Ausgleichen neben dem Berufsleben zu schaffen.
00:13:35: Gute Psychologie quasi geschaffen durch viele Faktoren?
00:13:39: Alles klar!
00:13:41: Richtig Jetzt haben Sie es.
00:13:43: eingangs hatten sie schon gesagt, dass viele Frauen in die Klinik kommen und eigentlich nicht wirklich wissen was sie erwartet vor allem von der medizinischen Seite, zum Teil sogar schon mit einem relativ verklärten oder romantisierten Bild von der Geburt bei ihnen in der Klinik ankommen.
00:14:02: Was denken Sie?
00:14:03: Wo kommt es her dieses Bild?
00:14:06: Also eine Sache kann ich hier aus.
00:14:07: Dass
00:14:07: das dann doch so ein Stück weit naiv ist würde ich sagen also uns ein bisschen überspitzt darzustellen.
00:14:16: Ich selber würde mir als Mann, der in einer Geburtstheorie tätig ist, natürlich niemals erlauben werdende Schwangere als naiv zu bezeichnen.
00:14:27: Und ich glaube auch nicht dass sie daran schuld sind.
00:14:30: aber es gibt irgendwelche Situationen vor der Geburt die dazu führen das irgendwie nicht Klartext schwangere untereinander sprechen oder mit.
00:14:40: also irgendwie fällt uns ganz ganz schwer finde ich reelle Informationen zu kriegen.
00:14:45: Das kann ich deswegen auch noch mal selber sagen, weil ich selber auch Vater geworden bin vor zwei Jahren und wir einen kleinen Sohn haben.
00:14:52: Und ich auch sagen kann das auch meine Frau beispielsweise die ja nach meinem Dafürhalten an sehr guter Quelle sitzt um Evidenz- und Objektive basierte Informationsverhalten am Ende auch von vielen Quellen verunsichert war.
00:15:08: es gibt natürlich Geburtsvorbereitungskurse, die teilweise eben nur die physiologische wie unkomplizierte die naturliche Geburt thematisieren.
00:15:20: Vielleicht dann mal eine Stunde das Thema Komplikation ansprechen und sagen dass man auch in Venösen Zugang ablehnen kann und eben nicht nur in der Klinik gebären kann.
00:15:31: aber worauf muss ich mich denn tatsächlich gut vorbereiten?
00:15:38: Ich möchte zum Flughafen, worauf muss ich mich vorbereiten?
00:15:41: Das ist ja eigentlich nicht das Idealszenario.
00:15:44: Ich hab an alles gedacht und der Flughafe ist leer und die Security-Leute sind total nett, sondern ich muss nicht vorbereiten auf ... Da steht tatsächlich vor dem Ryanair-Schalter diese kleine Box, wo irgendwie das Handgepäck rein soll, obwohl man ein bisschen zu viel Gepäck dabei hat.
00:15:59: Das ist tatsächlich die Dreiundzwanzig Kilo nichts zu überschreiten!
00:16:04: zwei Stunden vor Inlandsflügen, drei Stunden vor internationalen Flügen, vorher am Flughafen zu sein und immer noch mal das Geld zu checken.
00:16:10: Ob man es sich nicht kurzfristig geändert hat?
00:16:13: Und wenn ich diese ganzen nervigen gemeinen komplikationsreichens Szenarien durchgehe und mich darauf vorbereitet habe dann kann ich eigentlich fast einen Flug nicht mehr verpassen.
00:16:26: Es sei denn er verspätet sich selber!
00:16:33: vaginale Geburt, wie sie natürlicherweise stattfindet.
00:16:36: Wir entfernen uns auch vom Sprachgebrauch sowieso ganz weit weg von der natürlichen Geburt und einfach auf Frauen die eben irgendeine Form der Intervention erfahren, einfach nicht diesen Status dass sie natürlich geboren haben abzusprechen.
00:16:48: aber ich sage mal die unbeeinflusste vaginal Geburt das ist ja eigentlich etwas...das ist in der Natur der Sache irgendwie drin.
00:16:54: da ist es sicherlich möglich an einer schwangeren Situation zu sagen jetzt nehmen wir die Position ein Dinge, die man im Spur hineinsicherlich aber einmal etwas komplizierter durchgehen sollte ist das in den selben Sitz-Spezialsituationen von großer Anstrengung vielleicht auch wo es hektisch wird weil tatsächlich notwendig Intervention erfolgen müssen.
00:17:13: Das ist das was man durchgehen soll und das nimmt einen viel zu kleinen Teil in der Geburtsvorbereitung ein.
00:17:20: Es ist natürlich aber auch so, dass viele Geburtsvorwaltungskurse gar nicht individuell sind.
00:17:24: Da ist vielleicht eine vierzigjährige Schwanger und da ist eine sechzehnjähriger.
00:17:27: Und einer hat ein BMI von vierzig und einer ist vielleicht magelsüchtig, also anorektisch.
00:17:33: Die einen hatten Schwangerschaftsdiabetes die andere hat vielleicht ne Placenta, die vom inneren Muttermount liegt.
00:17:38: Die nächste hatte ne Merlingsgeburt oder Merlingsschwangenschaft mit Zwillinge oder Drilling.
00:17:42: ich bin selber zum Beispiel ein Zwilling.
00:17:44: Da gelten ganz andere Regeln, da gibt es ganz andere Abläufe, ganz andere Leitlinien die eben tatsächlich hier die gesunde Geburt ermöglichen soll und ein allgemeiner Kurs der für alle Frauen gleichzeitig gelten soll.
00:17:59: Der kann diesem Anspruch sicherlich nicht gerecht werden.
00:18:01: einer der größten und wichtigsten Faktoren ist sicherlich erst mal andere Schwangere kennen zu lernen, denn ganz egal wie viele Freunde man hat es ist sehr selten so dass man genau zeitgleich mit all seinen Freundinnen genau zum gleichen Punkt schwanger wird.
00:18:16: Selbst wenn's eine Freundin gibt die ein halbes Jahr vor Anschwanger geworden ist oder nach Anschwang geworden ist Erlebt man doch das erste Kind sicherlich als absolute Ausnahmesituationen, möchte da Menschen haben die genau in der gleichen Lebensphase sind.
00:18:30: Dafür ist unter anderem ein Geburtsvorbereitungskurs gut.
00:18:33: es ist gut um den Geburtspartner mit einzubinden und wie gesagt zur Vorbereitung auf die physiologische Geburt.
00:18:39: aber ich denke darüber hinaus bleibt noch ein bisschen mehr Platz.
00:18:42: Die Literatur spiegelt eigentlich dasselbe Bild wieder.
00:18:46: Es wird viel Schwangerschaft erklärt, aber nicht das tatsächliche Szenario der Geburt besprochen.
00:18:51: Meistens ist es nur ein ganz kleines Kapitel und dann gibt's das Thema Schmerzländerung in einem Satz und es gibt auch eine PDA.
00:18:57: Aber was das ist und wie man sich darauf vorbereiten kann und wofür wen das genau ist, steht da eigentlich nicht so richtig drin Weil es natürlich einfach auch nicht von Narkoseleuten geschrieben wurde, also von der Kurse Ärztin nennen.
00:19:07: So kann ich mich auch schlecht zu Hip-Amthemen äußern und ich kann auch nichts sagen zur Versorgung eines Neugeborenen auf Kinderintensivstationen weil das nicht immer ein Fachgebiet ist sondern ich mache eben Geburtshilfe als Arzt.
00:19:18: darüber kann ich sprechen und das macht sicherlich Sinn dementsprechend dieses Feld zu erweitern in der Geburnsvorbereitung neben der unerlässlichen, unersetzbaren Vorbereitung durch eine Hebamme auch durch eine ärztliche Komponente die einfach die rein statistisch gesehen sehr wahrscheinlich in Intervention während der Geburt erklärt.
00:19:41: Und eine letzte Sache kann ich noch als Vater sagen man verklärt seine Kinder.
00:19:45: alles was ein zweijähriger macht ist spannend es süß ist toll und das ist eine Hypothese dass ich glaube dass die Menschen Die Geburt ihres Kindes.
00:19:59: Das Süßeste, das liebenswürdigste was sie in ihrem Leben haben.
00:20:02: Das Wichtigste, das Schönste und das Beste, dass Fehler freiste was es gibt.
00:20:07: Dass sie das eigentlich auch in der Retrospective häufig die Schmerzen vergessen sondern sagen das war ein wunderbarer Moment.
00:20:16: Und es ist auch ein wunderbare Moment.
00:20:18: aber für Menschen die sich darauf vorbereiten möchten hilft es nicht immer nur zu sagen wie wunderbar der Moment ist.
00:20:23: Es hilft aber auch nicht im Umkehrschluss zu sagen, dass es überall Blut war.
00:20:27: Und es waren unendliche Schmerzen und ich habe sechsunddreißig Stunden in den Wehen gelegen.
00:20:31: Dann wurde ich aufgeschnitten.
00:20:33: Auch das bereitet eigentlich nicht sachlich vor sondern je sachlicher die Objektiv war.
00:20:38: Ähm... Ich empathischer, ich menschen auf dieses Szenario vorbereite.
00:20:42: Das ist so.
00:20:42: mehr glaube ich.
00:20:43: können Sie auch mit Ruhe auch auf eine vielleicht stressige Geburt hinblicken.
00:20:52: Alles klar, waren sehr viele Superlative dabei.
00:20:57: Herr Dr.
00:20:58: Krieger was sagen Sie jetzt mal so ganz aus dem Bauch raus?
00:21:01: Was würden sie sich wünschen für die Geburtshilfe in der Zukunft?
00:21:06: Wo liegen Verbesserungsmöglichkeiten und Optimierungspotenziale das zu sagen man kommt näher dahin wo sie gerne hin möchten.
00:21:18: Grundsätzlich sind wir gerade einen Rückgang der Geburten in Deutschland.
00:21:22: Als ich mein Buch geschrieben habe nach meiner Zeit in der Charité, da hatte ich dann so fünfhundert Geboten etwa begleitet.
00:21:29: Da hat die noch ins Vorwort geschrieben dass wir in Deutschland knapp acht hundet geboten pro Jahr in Deutschland haben.
00:21:34: das stimmt deswegen weil wir zu dem Zeitpunkt siebenhundert achtzig tausend gebotene Deutschland hatten Und ich hab das mal so aufgerundet in Erwartung, dass es ein bisschen mehr wird.
00:21:43: Stattdessen sind die Geburtenzahlen deutlich zurückgegangen und musste jetzt in der dritten Auflage korrigieren.
00:21:47: Nämlich sind es nur nach sechshundert-achtzig Geburtin.
00:21:50: Meine ich, die zweitausendtreinzwanzig oder vierundzwanziger Stadt gefunden haben also hunderttausend weniger?
00:21:56: Die Tendenze ist ehemaliger.
00:21:57: Sechshundertachzig
00:21:58: tausend bundesweit jährlich.
00:22:01: Richtig!
00:22:02: Bundesweitjährlich... Also hundertausend weniger und eine deutlich degressive Geburtonzahl.
00:22:09: Also, erst einmal wünsche ich mir mehr Kinder.
00:22:12: Ich wünsche mir mehr Geburten und ich wünsche mich natürlich bessere Aufklärung für Schwangere.
00:22:17: Was ich mir aber zu diesem Zweck auch wünsche ist, dass natürlich die mehr geboten und mehr Kinder auch das Personal besser trainieren, mehr Erfahrung ermöglichen – auch gerade in Häusern wo wenig Geburte stattfinden, dass auch junge Kolleginnen und Kollegen schneller Erfahrungsreiche Begleiter einer Geburt werden, um schwangere Gut betreuen zu können.
00:22:39: Ich wünsche mir eine Sache die es überhaupt gar nicht gibt bis auf wenige Ausnahmen.
00:22:45: das ist interdisziplinäre Fortbildungsveranstaltungen also fortbildungs Veranstaltung wo Nicht- Ärztinnen und Ärzte der Geburtshilfe und der Neonatologie Also der neu gebundenen Halkwunde der Anästhesie ihre eigenen Fortbildungen zu den geburtshilflichen Maßnahmen oder Bereichen haben.
00:23:07: Und dann gibt es noch die Hebaben und da gibt's noch die Pflegerinnen von Stationen, der Mutter-Kinzstation.
00:23:13: Sondern ich wünsche mir das eigentlich in relevanten gemeinsamen Fortbildungen, die Leute zueinander finden und damit einfach auch sich sofort bilden wie sie in der Klinik arbeiten nämlich interdisziplinär.
00:23:25: Es ist sehr schlecht wenn da der eine das sagt, der andere das andere.
00:23:30: Ich glaube dass wir schon alle auf den selben Wissenstand gebracht werden sollten.
00:23:34: Das wäre sicherlich etwas, was ich mir sehr wünschen würde.
00:23:37: Gleiches gilt eben auch für die verbesserte und strukturierte Ausbildung des Fachpersonals.
00:23:42: In vielen Kliniken ist natürlich die Personaldecke einfach dünn.
00:23:45: Dann gibt es eine schwangere Kollegin, dann gibt's Krankheit, was dazu führt dass einfach relativ früh unerfahrene Kolleginnen und unerfahrende Kollegen wie ich damals einfach früh in Dienst zu kommen, wo sie eigentlich gar nicht wissen was die richtig machen.
00:23:59: Das wird grade denke ich auch diese besonderen Hilfe, die werden Eltern während der Geburt ihres Kindes brauchen überhaupt nicht gerecht?
00:24:07: Alles klar vielen Dank!
00:24:09: Dann sind wir soweit eigentlich schon durch.
00:24:13: wenn ich jetzt noch als allerletzte Frage heranziehen würde... Was würden Sie so als Take-home Message für Kolleginnen und Kollegen abschließend gerne noch sagen, denen gerne noch mit auf den Weg gehen.
00:24:29: Also für werdende Kolleginnen gibt es drei Dinge die ich wichtig finde.
00:24:37: Erstens ist einfach das Besprechen von schwierigen Situationen mit Kolleginnen und Kollegen.
00:24:43: Und auch wenn das manche in einem Team schwer fällt weil man vielleicht Scham hat über gewisse Probleme zu sprechen Dann gibt es dafür professionelle Rahmen wie z.B.
00:24:53: Barlingruppen oder Supervision, wo man sich eben auch mit Kolleginnen und Kollegen im virtuellen Raum unterhalten kann.
00:25:00: Wo man einfach das erzählen kann was einem auf dem Herzen liegt ohne dafür in irgendeiner Form Konsequenzen am Arbeitsplatz befischen zu müssen.
00:25:09: Ich selber oder ich glaube viele werden Ärztinnen und Ärzte denken häufig bei diesem Thema psychosomatische Grundversorgung Ach, das brauche ich eigentlich ja nicht.
00:25:21: Das kann ich ja alles schon.
00:25:23: Ich kann gut mit Patientinnen sprechen und warum?
00:25:27: Ich muss das niemandem erzählen.
00:25:30: Aber ich persönlich hatte wirklich den Eindruck, dass mir das unglaublich viel gebracht hat und unglaublich viele Last von meinen Schultern genommen hat.
00:25:37: Gleiches gilt auch für Kommunikationssiminare, Mitpatientinnen eine schwierige Nachricht zu überbringen, empathisch auch für Patientinnen als Gesprächspartner sein zu
00:25:47: können.".
00:25:47: die Möglichkeiten des Spiegels im Gespräch.
00:25:51: Das sind alles Dinge, die kann man tatsächlich lernen und ich finde, die helfen sehr.
00:25:55: Drittens, zweitens ist es so machen, machen, das hat mein alter Chef Herr Professor Henrich an der Charité immer gesagt.
00:26:04: Ich glaube, man muss einfach sich über sein reguläres Fach um seine irreguläre Medizin, die man in der Klinik macht, für irgendetwas mal engagieren.
00:26:14: Und manchmal fällt es natürlich, wenn man noch nicht genau weiß was an Interessiert in welchen Bereich man gehen möchte dann hilft das alles nichts.
00:26:22: Dann muss man sich vielleicht auch mal für etwas engagieren in einer Arbeitsgruppe engagieren oder sei es nur Qualitätssicherungsaufgaben übernehmen die dazu führen, dass man einfach mal mit anderen Themen in Kontakt kommt.
00:26:34: Und daraus wird sich schon etwas ergeben was einen motiviert wo man mit Leuten zusammenkommt, die einen motivieren und woraus sich einfach Projekte entwickeln, wo man irgendwann sagt das ist mein kleines Baby und daran will ich weiter arbeiten.
00:26:46: also einfach mit was starten und es wird schon kommen.
00:26:52: drittens das hat glaube ich kein klinik chef gehört.
00:26:55: erst gerne meines Eifens sind das lange urlaube.
00:26:59: Ich habe, glaube ich als einer der ersten Assistenzärzte überhaupt damals nach zehn Jahren Berufstätigkeiten meines damaligen Chefs an der Charité einen unbezahlten Urlaub angefragt.
00:27:12: Natürlich gibt es Elternzeit wenn man Kind bekommen hat Es gibt Urlaub aber es gibt gerade in großen Universitätskliniken praktisch kaum die Möglichkeit unbezahltem Urlaub zu nehmen.
00:27:21: und im Rahmen eines solchen unbezelten Urlaubs den mir glücklicherweise damals genehmigt wurde habe ich final die Entscheidung getroffen dieses Buch zu schreiben.
00:27:28: Ich finde, man braucht manchmal längere Urlaube.
00:27:31: Nach der ersten Woche baut man einfach erst mal nur die Erschöpfung ab, die man hat Und danach kommt dann irgendwann der Moment, wo man kreativ wird und auch über sein eigenes Berufs- und Privatleben nachdenkt.
00:27:42: Immer wieder diese Reevaluationsetappen in Form von längeren Urlauben zu haben vielleicht auch mal wegzufahren rauszukommen sich und seine Welt zu überdenken das ist etwas was glaube ich mir persönlich zu dem Zeitpunkt sehr wichtig war.
00:27:56: jetzt lebe ich in einem deutlich gefestigteren Umfeld Jetzt hab ich Familie, jetzt sind natürlich auch gewisse Reisen oder Flexibilitäten nicht mehr so möglich wie zu Anfang meiner Karriere.
00:28:08: Aber das was ich jetzt mache ist hundertprozentig ich und dass ich diese Entscheidung getroffen habe dafür bin ich sehr dankbar und dafür brauchte ich immer wieder diese Auszeiten von längeren Urlauben um mich auch gegen gewisse karriere Schritte zu entscheiden.
00:28:24: Alles klar!
00:28:25: Dankeschön.
00:28:26: Dann danke ich Ihnen für den sehr informativen Austausch Herr Dr.
00:28:29: Krüger.
00:28:31: Ich danke Ihnen für die Möglichkeit, mit Ihnen zu sprechen und für das interessante Interview.
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