Polyneuropathie & Diabetes: Verlauf, Diagnostik & Therapie | Expertentalk
Shownotes
Warum bleibt die diabetische Polyneuropathie trotz einer Prävalenz von bis zu 30 % so häufig unerkannt – und welche einfachen Untersuchungen können dabei helfen, die Diagnose sicher und frühzeitig zu stellen?
Fachredakteurin Birgit Schulze spricht mit Dr. Gidon Bönhof, Leiter der Arbeitsgruppe Neuropathie am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) Düsseldorf und seit über zehn Jahren in der klinischen und translationalen Neuropathie-Forschung tätig, über die Herausforderungen des Neuropathie-Screenings im Praxisalltag, neue altersabhängige Referenzwerte und die diagnostische Bedeutung von Stimmgabel- und Pin-Prick-Test.
Warum wird die diabetische Polyneuropathie so systematisch unterdiagnostiziert? Was ist beim Screening asymptomatischer Patientinnen und Patienten wirklich notwendig? Und weshalb können bereits zwei einfache Untersuchungen eine diagnostische Genauigkeit von über 80 % erreichen? Dr. Bönhof erläutert, welchen Stellenwert die Rydel-Seiffer-Stimmgabel, der Pin-Prick-Test und der Achillessehnenreflex in der praktischen Diagnostik haben und welche neuen Erkenntnisse aus einer zehnjährigen Longitudinalstudie zum Verlauf der Nervenfunktion bei Typ-2-Diabetes gewonnen werden konnten.
Darüber hinaus geht es um Unterschiede zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes, die Indikation für eine Hautbiopsie, Entzündungsbiomarker und immunmodulatorische Prozesse sowie die Chancen und aktuellen Grenzen von KI-gestützten und digitalen Screening-Tools. Im Mittelpunkt steht dabei eine zentrale Botschaft für die Praxis: Nicht fehlende Zeit oder Geräte sind das größte Hindernis, sondern die fehlende Standardisierung. Wer das Screening strukturiert einführt und delegiert, kann diagnostische Sicherheit gewinnen, ohne den Praxisablauf wesentlich zu belasten.
Freuen Sie sich auf ein Gespräch, das die diabetische Polyneuropathie verständlich einordnet und konkrete Impulse für eine frühere, standardisierte Diagnostik gibt. Für alle, die besser verstehen möchten, wie sich Nervenfunktionsstörungen bei Diabetes frühzeitig erkennen lassen und welche Bedeutung dies für Prävention, Verlaufskontrolle und Therapie hat.
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Transkript anzeigen
00:00:09: Vielen Dank, Herr Dr.
00:00:10: Ginon Bernhof, dass Sie sich die Zeit nehmen heute mit uns über das wichtige Thema Neuropathie bei Diabetes zu sprechen.
00:00:16: Sie sind seit über zehn Jahren an dem Thema dran und aktuell leitert der Arbeitsgruppe Neu Rapatie am Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf Und wir freuen uns über ihre aktuelle Forschung mit Ihnen sprechen zu können.
00:00:28: und ich würde mal einsteigen mit einer kleinen Prävalenz.
00:00:31: Rund dreißig Prozent aller Menschen mit Diabetes entwickeln eine Polyneuropathy.
00:00:36: Dennoch ist es laut Ihrer Aussage auch eine der häufigsten unterdiagnostiziertesten Komplikationen.
00:00:41: Woran liegt denn das Problem in der aktuellen Versorgungsrealität?
00:00:45: Ja, das ist vollkommen richtig!
00:00:47: Das ist eigentlich eine sehr verbreitete Krankheit und trotzdem wissen viele Leute gar nicht dass sie das haben.
00:00:55: Und auch in der Erzenschaft gibt es zwar viele die eine tolle Arbeit machen im Tagesgeschäft Aber die Diabetologie ist so komplex.
00:01:05: Es gibt so viele Aspekte, die zu beachten sind.
00:01:09: Da fällt die Polyneuropathie manchmal etwas unter.
00:01:16: Da gibt es unterschiedliche Gründe für.
00:01:19: Bei der Polyneupathie gibt das jetzt nicht in einen Biomarker im Blut oder im Urin, wenn man bestimmen kann wie bei anderen Diabetes-Komplikationen sondern... Die Polynauropathie diagnostiziert man am besten dadurch, dass man eine Anamnese führt die zielgerichtet auf Polynaupathie ist.
00:01:38: Und was eben unumgänglich ist auch das die Füße ausgepackt und angeschaut und richtig untersucht werden.
00:01:44: Das ist eigentlich alles kein Hexenwerk aber das braucht ein bisschen Zeit.
00:01:49: und die Untersuchung der Füßer, die auch nicht so komplex ist braucht einen gewissen Grad an Standardisierung, dass auch diese einfachen Tests in der Praxis tatsächlich durchgeführt werden können.
00:02:05: Das sind wirklich einfache Untersuchungen.
00:02:08: Die sind nicht neu und die sind noch nicht teuer.
00:02:11: Aber wie gesagt es geht oft ein bisschen unternebenden vielen anderen Aspekten, die man in der Diabetesversorgung zu beachten hat.
00:02:21: Bis zu fünfzig Prozent der Betroffenen haben teils gar keine Symptome oder nur leichte Symptomen.
00:02:27: Sie haben es gerade schon angedeutet, was sollte ein Diabetologe oder ein Diabetologin in ihrer Praxis screenen?
00:02:33: Ganz konkret, gerade wenn's der Patient selber nicht spürt.
00:02:37: Das ist ja doch eine Schwierigkeit!
00:02:39: Ja das ist ein sehr wichtiger Aspekt.
00:02:40: also die Die Menschen, die erwähnt es, dass sie Symptome haben.
00:02:44: Die kann man ja durcheinander sprechen und rausfischen.
00:02:47: Die Leute sagen, ich habe keine Symptom, mir fällt da nichts auf.
00:02:51: Bei denen ist die Fußuntersuchung unumgänglich.
00:02:56: Also die Polyneuropathie ist auch definiert als eine Nervenerkrankung, die sich entweder über Symptoma oder über neuropatische Defizite... definiert.
00:03:09: Neuropathische Defizite sind Dinge, die die Betroffenen jetzt nicht von alleine spüren aber die man durch Funktionsuntersuchungen rauskriegen kann das heißt durch diese einfachen Untersuchungen wie dass Vibrationsempfinden was man mit der Stimmgabel untersuchen kann kälte Wärmediskrimination Spitzstumpf solche sensorischen Einschränkungen zusammen in einer klinischen Untersuchung herausfinden kann.
00:03:38: Sie haben gerade schon die Stimmgabel angesprochen, sie haben neue altersabhängige Referenzwerte für die Riedelseifer-Stimmgabe entwickelt?
00:03:46: Was war an den bisherigen Werten problematisch und was ändert sich jetzt konkret für die tägliche Praxis?
00:03:52: Ja vielen Dank für die Frage!
00:03:53: Die Riedelsseiferstimmgable ist ein sehr wichtiges Tool, das bei der Diagnose auf Polyneuropathie verwendet wird.
00:04:00: die sich irgendwie damit beschäftigt.
00:04:08: Wird ja auch für andere Indikationen verwendet, also Hirtests und so weiter.
00:04:14: Für die Untersuchung auf europaische Defizite wird die Ritalcypher-Stimmgabel mit der Scala abgelesen – die kann man also quantifizieren.
00:04:23: Und hier ist das Problem oft dass eigentlich gar kein richtiges Bewusstsein dafür besteht was eigentlich normal und was nicht normal ist.
00:04:31: Ich habe viel mit Studierenden und Unterricht zu tun hier an der Uni-Klinik oder ich sehe Piotrstudierende oder Kolleginnen und Kollegen, die gerade frisch ärztlich tätig sind.
00:04:47: Und da mache ich mir manchmal den Spaß und frage ja was ist denn jetzt eigentlich normal?
00:04:50: Was ist nicht normal?
00:04:52: Da wird mir oft bewusst dass das nicht so richtig gelehrt wird und da viel Unsicherheit besteht.
00:04:57: viele Leute verwenden dann einen Grenzwert, also manche sagen zum Beispiel fünf Achtel.
00:05:02: Aber das ist so eine Gefühlsdiagnose.
00:05:06: Das ist nicht richtig validiert.
00:05:08: Es gab zwar mal altersabhängige Normwerte die Ninzehundneinzig publiziert sind und auch zur Verwendung empfohlen wurden von manchen Fachgesellschaften.
00:05:19: Aber das macht es oft in der Praxis schon etwas zu kompliziert.
00:05:22: Man macht die Untersuchung, man hat einen Wert und möchte eigentlich wissen was ist normal und was ist nicht normal?
00:05:27: Und schon dieser eine Schritt dass man überlegen muss okay wie alt ist der Mensch, den ich da gerade untersuche.
00:05:34: Ist das normal oder nicht?
00:05:36: Es ist oft schon ein Schritt zu viel.
00:05:40: Das Vibrationsempfinden wird physiologisch mit dem Alter etwas weniger.
00:05:46: Wenn ich jetzt ein Mensch habe, der dreißig ist und ich lese vier Achtel ab dann hat dieser Mensch ein Risiko das Fuß ulzera entstehen.
00:05:56: wenn ich jetzt aber einen Menschen habe der achtzig Jahre alt ist eine Vibrationsempfindung von vier Achteln am großen C habe dann ist nach der Evidenz, die wir jetzt haben das noch physiologisch also vollkommen normal.
00:06:08: Da ist das Risiko für Wunden auch nicht erhöht.
00:06:14: Uns wichtig war ist, dass wir Normwerte haben die wirklich sauber erhoben sind.
00:06:20: Dass wir die in Menschen erhoben haben, die wirklich gesund sind, die keinerlei Polyneuropathie haben, keinerlei Symptome der keinerlei neurologische Erkrankungen das wir wirklich sagen können.
00:06:29: okay da kann man mit großer Sicherheit sagen das ist normal oder das ist weniger normal.
00:06:35: Das Ergebnis von unseren Normwerten ist es dass wir bei Menschen die jünger sind sind wir ein bisschen strenger.
00:06:44: Da sind die Normenwerte etwas höher, als man es vorher evaluiert hat und bei Menschen im eher fortgeschrittenem Lebensalter sind wir tatsächlich etwas großzügiger.
00:06:59: Ihre Daten zeigen auch, dass der Stimmgabeltest zusammen mit dem Pin-Prick-Test fast achtzig Prozent Sensitivität und Spezifität erreicht.
00:07:08: Ist das aus klinischer Sicht ausreichend oder verliert man noch etwas wenn man sich auf aufwendigere Diagnostik verzichtet?
00:07:17: Ja tatsächlich erreichen wir damit sogar über achtzig prozenten Sensitvität und Spassivität Und Accuracy wie man es nennt bei dieser diagnostischen Wertigkeit.
00:07:29: Das ist ein sehr gutes Ergebnis für die klinische Praxis.
00:07:33: Wir haben also eine Kombination aus der Stimmgabel mit all das entsprechende Normwerten zusammen mit einem Test, der die dünnen Nervenfasern abbildet und diese zwei Tests zusammen sind gut genug dass man in einer klinischen Praxis davon Entscheidungen treffen kann.
00:07:49: Da gibt es Richtlinien, wenn man sagt ein Test ist gut genug, dass ich sagen kann okay, ich behandle dich oder ich Wenn das drunter wäre, könnte ich theoretisch sagen okay braucht noch zusätzliche Untersuchungen.
00:08:02: Mit diesen Untersuchungsmethoden habe ich genügend diagnostische Sicherheit.
00:08:08: Das gute daran ist dass sind schneller einfache günstige Tests.
00:08:12: da muss man nichts teures anschaffen und wenn jetzt man nicht eine komplizierte Anamnese oder schwierige Differenzialdiagnostik hat braucht man auch keine Überweisung zu anderen Fachdisziplinen.
00:08:25: Das kann man also hausärztlich und diabetologisch dann mit hinreichender Sicherheit sagen, wenn man die standardisierte Untersuchungen macht Und muss dazu sagen Wenn man jetzt ärztlich andere Differenzialdiagnosen ausgeschlossen hat Wenn ich diese zwei Tests mache Dann habe ich wie gesagt über Wenn ich nur die Stimmgabel alleine nehme, haben wir festgestellt, erreichen wir ungefähr seventy- drei Prozent Sensitivität.
00:08:58: Das ist jetzt auch schon ganz gut.
00:09:00: aber wie gesagt nur einen kleinen Test dazu nehmen und ich bin mal über achtzig Prozent.
00:09:06: Nun habe ich gelesen in der nationalen Versorgungsleitlinie da wurde dieser Achilles sehen Reflex aus dem Minimalscreen gestrichen.
00:09:15: Er gilt da wohl als unzuverlässig.
00:09:17: Gleichzeitig ist das ja aber ein Kernbestandteil von Ihrem NDS, also vom Score mit dem Sie arbeiten.
00:09:23: Was ist Ihre Meinung dazu?
00:09:25: Ja wir haben den NDS der auch den Achilleszenenreflex beinhaltet verglichen mit der Kombination aus Stimmgabel und einem Testverdünnenerfenfasern Und wir haben gesehen dass die Sensitivität dadurch nicht schlechter wird.
00:09:42: Bei dem Achilles-Renen-Reflex ist es in der Praxis so, dass viele Schwierigkeiten haben den zuverlässig zu beurteilen.
00:09:52: Der ist auch altersabhängig und die Menschen, die man untersucht, verkrampfen da gerne schnell.
00:09:58: Die Handhabung mit dem Reflexhammer ist gar nicht einfach.
00:10:04: Auch wenn man das denkt, einfaches Tool ist trotzdem die Handhabungen etwas schwierig unterbestricht denke ich auch, dass man denn eigentlich nicht wirklich braucht um im klinischen Alltag das untersuchen zu können.
00:10:17: Man muss sich ja vorstellen mit jedem Test den ich dazu nehme oder mit jeder Sache die das Assessment kompliziert erhöhe ich die Hemmschwelle, das tatsächlich zu untersuchen.
00:10:28: Das manchmal.
00:10:28: wenn man einen hohen Perfektionsanspruch hat dann macht man es am Ende gar nicht und das ist das Problem.
00:10:33: Da muss man sich wirklich überlegen.
00:10:37: profitiert unter dem Strich der Patientin davon Wenn ich noch mehr Bausteiner dazu füge und sage die Diagnose ist noch komplizierter mit drei vier fünf Tests.
00:10:51: wir sehen hier dass man das eigentlich im klinischen Alltag nicht braucht.
00:10:56: Dieser Scores, z.B.
00:10:58: der NDS sind schon gut und sehr gut geeignet um die Neuropathie zu quantifizieren.
00:11:06: Zu sagen wie leichtmäßig schwer ist das?
00:11:11: Aber um schnell festzustellen hat dieser Mensch wahrscheinlich eine Neuopathie oder nicht, sind sie eigentlich weniger nötig?
00:11:19: Ich bin hier in der Forschung, in der Universitären Medizin und es ist mein Spezialgebiet.
00:11:25: Natürlich würde ich gerne ganz viele Tests propagieren aber man muss aufpassen dass man nicht aus dem Elfenbein Turm heraus Dinge vorschlägt die in der Praxis nicht durchführbar sind.
00:11:36: Da ist für mich ganz wichtig das, dass man miteinander in Kontakt ist mit den Leuten die Tag einen Tag aus diese Untersuchungen durchführen und sagen was ist sinnvoll und machbar Und dann schaut, dass man die Sachen, die machbar sind wissenschaftlich unterfüttert und sagt okay das macht Sinn oder das macht keinen Sinn wenn man die Tests auf ein schnelles Programm kondensiert.
00:12:10: Ich habe über ihre zehn- jahres Langzeitsstudie gelesen, die in Neurology erschienen ist.
00:12:16: Und da kam ja was ganz Erstaunliches raus das bei gut eingestellten Typ II Diabetes der Nervenabbau kaum schneller läuft als beim normalen Altersprozess.
00:12:25: Der Blutzucker spielt dann nach der Diagnose doch keine so entscheidende Rolle wie man bisher dachte.
00:12:31: Also uns haben diese Ergebnisse auch überrascht.
00:12:34: Ich würde jetzt nicht sagen, dass der Blutzucker keine Rolle spielt aber im Großen und Ganzen muss man sagen das ist... Das was wir gefunden haben hat sowohl etwas Gutes als auch etwas Weniger Gutes.
00:12:49: Die weniger gute Nachricht ist die Leute haben oft bei Diagnose schon Auffälligkeiten in der Nervenfunktion.
00:12:55: Dass wir also schon wenn der Diabetes oder in dem Fall der Typ II Diabetes entdeckt wird Wenn wir genau präzise Messen schon Einschränkungen sehen, aber die gute Nachricht ist wenn die Leute gut eingestellt sind passiert in den nächsten fünf oder zehn Jahren.
00:13:17: In Anführungszeichen nichts was nicht auch bei den Leuten ohne Diabetes passiert.
00:13:20: Wir sehen da in diesem Kollektiv viele davon haben eine sehr gute Diabetes Einstellung Sehen wir, dass die Abnahme der Nervenfunktion ähnlich schnell ist wie bei den Menschen mit normaler Klokosetoleranz ohne Diabetes.
00:13:35: Das hat uns natürlich auch überrascht weil wir dachten die Stereo geht schnell immer weiter auseinander.
00:13:40: aber was wir festgestellt haben ist das tatsächlich dadurch, dass sie dann bei Diagnose schon niedriger Staaten vereinfacht gesagt mit der Nerfenfunktion erreichen die durch die physiologische altersabhängige Abnahme pathologische Werte, die dann zu einer Neuropathie führen.
00:14:00: Das kann sein dass das im Korraten eine sehr schlechte Diabetes-Einstellung sich anders darstellt.
00:14:07: in dieser Korte, die wir publiziert haben war das eben so.
00:14:12: Vorher hat man es oft nicht feststellen können weil man gar nicht eine Kontrollgruppe mit Menschen mit normaler Glocustrolachans hatte mit der man den Verlauf hätte vergleichen können.
00:14:24: Dadurch, dass wir hier in der deutschen Diabetes-Studie relativ einzigartig das Verläufe sowohl von Menschen wie Typ I oder Typ II Diabetes als auch mit normaler Kursetoleranz untersuchen, konnten wir das gut vergleiche.
00:14:42: Können Sie uns nochmal die Unterschiede da zum Typ I Diabetes aufzeigen soweit ich gelesen habe?
00:14:48: Ist das da ja ein bisschen anders, dass die Nomo-Klykemin da Neuropathien nachweislich verhindert?
00:14:55: Warum gibt es da diese Unterschiede zwischen Typ I und Typ II Diabetes.
00:14:59: Ja auch aus Daten von unserer deutschen Diabetes Studie haben wir gesehen, dass sich die Prävalenz bei der Diagnose bei Typ II-Diabetes oft schon höher ist oder insgesamt schon höher als bei Typ I Diabetes.
00:15:16: Das hat natürlich unterschiedliche Gründe.
00:15:18: Die Menschen, die einen Typ II Diabetes bekommen sind oft älter und es ist oft schon eine... eine gewisse Zeit vorher vergangen, in dem die Blutlokose wahrscheinlich nicht mehr ganz normal war und man das noch nicht festgestellt hat.
00:15:34: Und wir sehen mittlerweile auch dass schon Prädiabetes-Stadien oder sogar schon Stadien einfach von Übergewicht oder Adipositas schon die Nervenfunktion beeinträchtigen können.
00:15:45: Das heißt bei Diagnose von Typ II Diabetes sehen wir da oft schon mehr Einschränkungen als bei Menschen mit Typ I Diabetes.
00:15:55: Bei Typ I Diabetes gibt es Evidenz aus größeren Studien, dass eine sehr gute Blutlokose-Einstellung das Auftreten einer Neuropathie verlangsamt oder verhindert.
00:16:09: Also unsicher zu gehen würde ich sagen ist wahrscheinlich eher herauszögert.
00:16:15: Das Problem bei Typ II Diabetes sehen wir diese Evidenzen nicht.
00:16:21: auch unterschiedliche Ursachen.
00:16:24: Einerseits wahrscheinlich fällt schon viele andere Einflussfaktoren mit Rheinspielen über Gewicht und so weiter, auf der anderen Seite muss man aber auch sagen dass die meisten Studien die das untersucht haben bei Typ II Diabetes nicht designt wurden um wirklich Neuropathie Endpunkte festzustellen.
00:16:45: Auf.
00:16:45: die Neuro-Pathie war so ein Nebenprodukt und hat vielleicht eine oder zwei eher weiche Endpunkten in die Studien integriert, deshalb kann man jetzt noch nicht mit Sicherheit sagen dass es nichts bringen würde einen Diabetes sehr gut einzustellen.
00:17:03: Meine persönliche Ansicht ist das man wahrscheinlich bei Typ II Diabetes viel früher anfangen muss Risikofaktoren zu beseitigen und zu beheben oder zu lindern, oder wie man das sagen möchte.
00:17:16: Damit man tatsächlich die Das Auftreten von einer Neuropathie verhindern kann.
00:17:21: Wenn wir also sehen dass schon bei Auftreten eines zu zwei Diabetes der zwanzig Prozent der Menschen Hinweise auf beginnende Nervenschäden haben dann wäre die logische Konsequenz davon, dass man eigentlich schon vorher intervenieren sollte.
00:17:39: Wir haben auch gerade für Frisch dieses Jahr publiziert, wenn wir uns die Anzahl der Nerven in der Haut anschauen.
00:17:48: dass da einen klaren Zusammenhang gibt zwischen der Nervenfaserdichte und dem Gewicht, dann muss man noch nicht einmal übergewichtig sein.
00:17:55: Da gibt es unabhängig so adjustiert nach einigen anderen Faktoren sehen wir den Klarenzusammenhang aus höheren Körpergewicht und niedriger nervenfaser Dichte auch mit anderen Nervenfunktionsparametern.
00:18:09: das heißt da müsste man wahrscheinlich deutlich früher anfangen Risikofaktoren wie Übergewicht zu beeinflussen.
00:18:18: Sie haben gerade schon davon gesprochen, dass es wahrscheinlich auch so ein bisschen um die unbemerkte Phase des Prediabetes geht.
00:18:24: Dass man da auch wahrscheinlich zu wenige Studien an dem Punkt ansetzen, sondern wie sie ja sagen auf die Neuropathie nur so weiche Endpunkte sind.
00:18:33: kann das auch eine Erklärung dafür sein, dass neue Therapieansätze bei bestehender Neuropartie oft noch Schwierigkeiten in der Wirksamkeit, wenn wir es mal so ein bisschen sanft formuliert haben.
00:18:45: Also das einfach da noch ein bisschen die Studien fehlen, die am richtigen Zeitpunkt ansetzen?
00:18:49: Auf jeden Fall!
00:18:50: Es gibt zwar wirklich tolle Studien mit den vielversprechenden Medikamenten, die wir gerade haben auf Diabetes Outcomes und auf cardiovascularer Outcomes, auf bestimmte Diabetes-Komplikationen.
00:19:02: Aber oft ist da die Diabitschonopathie, die Forgotten-Complication, die eben in diesen Studien nicht integriert wurden.
00:19:12: Da gibt es viel fatale Chancen oder wenn man nach vorne gucken möchte, viel Potenzial was man eigentlich noch untersuchen könnte.
00:19:21: Ich denke, dass gerade moderne Therapien schon das Potenzial haben.
00:19:26: Dass wenn man sie sehr früh einsetzt, dass Menschen dann auch weniger Neuropathie entwickeln.
00:19:33: Das kann ich jetzt nicht durch Studien absichern aber das wäre mein educated guess, dass man in Zukunft so etwas untersuchen und auch nachweisen kann.
00:19:45: Sie haben auch schon von den Hautbiopsien besprochen, das ist ja auch ein sehr interessanter Bereich ihrer Forschung.
00:19:52: Das ist dann eine recht invasive Diagnostik, stelle ich mir das zumindest vor.
00:19:56: also wie geht man damit um wenn man jetzt an die niedergelassenen Diabetologin denkt?
00:20:04: Wann müsste denn so eine Überweisung stattfinden?
00:20:08: Wie könnte das in der klinischen Alltagspraxis aussehen?
00:20:11: Ja, die Hautbiopsy ist dazu geeignet um Neuropathien, die vor allem die kleinen Nervenfasern betreffen zu diagnostizieren.
00:20:21: Die gute Nachricht ist aber dass man in den meisten Fällen die Hautdiopsy nicht braucht um eine Therapie zu planen.
00:20:28: nur in ganz seltenen Fällen wenn man wirklich nicht weiß woher solche Schmerzen kommen, man viele Differenzialdiagnosen ausgeschlossen hat und auch die typischen Schmerztherapien, die man hat nicht erforskekrönt sind.
00:20:47: Dann kann man so eine spezielle Diagnostik planen.
00:20:52: Das ist jetzt Auch nicht so invasiv, das ist drei Millimeter.
00:20:55: Das ist sehr klein am Unterschenkel.
00:20:57: Das sind standardisierte Ställe die man unter kleinen örtlichen Betäubungen macht und dann mit einem Stich genäht wird oder manche versorgen es auch nur mit Stereostrips.
00:21:12: Das klingt theoretisch auch.
00:21:14: Es ist eine minimalinvasive Untersuchung, die man im klinischen Alltag wenig braucht.
00:21:23: Bei ganz schwierigen Fällen zur Diagnose einer sogenannten Small-Fiber-Neuropathie würde sowas von neurologischer Seite aus initiiert werden.
00:21:35: Kollegen von Ihnen am DDZ haben auch sechs Entzündungsbiomarker im Blut identifiziert, die auch eine diabetesche Polyneuropathy vorhersagen könnten.
00:21:44: Wo sehen Sie da den Unterschied zwischen dem klinischen Screening, worüber wir jetzt schon gesprochen haben und dieser Labordiagnostik?
00:21:51: Geht das Hand in Hand oder wie wird sich das entwickeln.
00:21:54: Die Laborparameter die in unseren Studien mit einer Prolendoropathie assoziiert sind weisen darauf hin dass es Zusammenhänge gibt zwischen subklinischer Inflammationen und Neuropathie mit immunmodulatorischen Prozessen.
00:22:11: Diese Studien zeigen uns aber eher Hinweise darauf, wie die Polyneuropathie entsteht und sind jetzt in absehbarer Zeit weniger dazu geeignet, Patientinnen und Patienten zu sagen ob sie eine Neuropathy haben oder nicht.
00:22:28: Da sind die Überschneidungen zwischen was ist normal und was nicht normal zu groß.
00:22:35: Nichtsdestotrotz gibt es da auch vielversprechende Entwicklungen, es gibt bestimmte Marker, die gerade untersucht werden ob sie auf eine Polynau-Party hindeuten können.
00:22:49: Da sehe ich aktuell noch das Problem dass es eben auch sehr viele andere neurologische Erkrankungen gibt diese Werte dann ebenfalls beeinflussen könnten und deshalb nicht so spezifisch sind für diabetische Nervenschäden.
00:23:05: Neben der Labordiagnostik habe ich auch gelesen, dass neuerdings auch viel Technologien zumindest diskutiert werden also KI-gestützte Analysen oder auch spezielle Mikroskopie Verfahren.
00:23:17: wie sehen Sie das in der Zukunft?
00:23:19: Wie wird es im Verhältnis zu diesen Bedside Tests an denen sie forschen in Zukunft gehandhabt werden?
00:23:27: Ja, das ist eine spannende Frage.
00:23:30: Auf der einen Seite gibt es diese traditionellen einfachen Methoden die sehr wichtig sind für die Praxis.
00:23:37: auf der anderen Seite gibt Es viele unterschiedliche digitale Geräte in jeder Preisklasse Die auch versuchen das Screening und Diagnostik für Polynau-Party zu erleichtern oder zu standardisieren.
00:23:52: Das, was ich daran sinnvoll finde ist dass das den Trainingsbedarf deutlich reduziert und ohne Sorge hat das Potenzial, dass mehr Leute schnell gescreen werden können.
00:24:08: Das Problem, was wir aktuell haben, ist, dass viele von den Geräten noch nicht gut wissenschaftlich validiert sind oder proprietary Algorithmen haben die man noch und die dann auch für die wirkliche klinische Praxis zu teuer sind, um sie flächendeckend einzusetzen.
00:24:32: Trotzdem sehe ich da natürlich das Potenzial, dass wir nicht immer auf Geräte wie die Stimmgabel zurückgreifen muss, die in den letzten Hundert drei erst mal nicht publiziert wurde nach Riddel-Seifer sondern da gibt es schon Potenziale neue Geräten zu entwickeln und auf den Markt zu prähen.
00:24:53: Wie gesagt, Problem ist oft die wissenschaftliche Validierung und dass diese Geräte tatsächlich auch als Medizinprodukte eingesetzt werden können und nicht nur im wissenschaftlichen Kontext.
00:25:05: Sie haben in Ihrer Langzeitstudie auch ein Prognosetool entwickelt, wo man dann vorhersagen kann bei einem Patienten wann die Nervenfunktion unter einen kritischen Schwellenwert fallen wird.
00:25:20: Können sie das nochmal kurz erklären?
00:25:22: Was sind da die Eingabendaten und wann kann man das konkret als niedergelassener Diabetologe nutzen?
00:25:28: Wir haben in der Studie, die letztes Jahr in Neurology publiziert wurde.
00:25:33: Die Verläufe der Nervenfunktionen beschrieben bei Menschen mit normaler Krokosetoleranz oder auch mit Typ II Diabetes und wir haben da eine klare altersabhängige Abnahme feststellen können.
00:25:46: Wenn wir einen Wert haben für die Nervenleitgeschwindigkeit der Nerfen in der unteren Extremität, können altersabhängige Abnahme und den alters abhängigen Normwerten für diese Nervenleitgeschwindigkeitsparameter vorhersagen, wie viele Jahre es braucht bis die Nerven- leidgeschwindigkeit in einen pathologischen Bereich fällt.
00:26:12: Das was ich also brauche ist einen Ausgangswert für die Nerventeilgeschwindigkeiten zum Beispiel von Nervus zuralis oder Peronius.
00:26:22: Ich brauche das aktuelle Patientenalter das Geschlecht und kann dann sagen, wie dieser Wert sich entwickeln wird.
00:26:35: Und wenn wir zum Schluss den Menschen die das Interview hier sehen noch einen richtig ein Tipp eine Take-home Message mitgeben wollen was kann man in seinem Praxisalltag ab morgen verändern.
00:26:47: welchen Tipp würden sie in Richtung Neuropathie den Kolleginnen und Kollegen gerne geben?
00:26:52: Ja, das mache ich sehr gerne.
00:26:53: Mein Tipp an dieser Stelle ist dass Standardisierung uns sehr viel weiterbringt und einem das Leben sehr viel einfacher macht.
00:27:02: Wenn ich mir einmal Zeit nehme eine Untersuchung zu standardisieren und im besten Fall sogar delegieren kann dann wird mir das in Zukunft sehr viel Arbeit einsparen.
00:27:13: wenn ich also die einfachen Tests wie Stimmgabel oder Pinprick-Untersuchungen den Mitarbeitenden richtig beibringen und nicht erwarte, dass nach Gefühl entschieden wird oder dass man, wenn man Entscheidungen abnehmen muss, sondern einfach nur diese Untersuchung standardisiert durchführt.
00:27:37: Dann kann man solche Untersuchungen im Praxisalltag wirklich viel einfacher durchführen und das hängt auch deutlich die Hemmschwelle, solche Untersuchtungen in aufzunehmen in den Screening-Intervallen, die man zum Beispiel im DMP-Programm auch vorgeschlagen hat.
00:27:58: Wir haben zusätzlich um solche Standardisierungen zu vereinfachen, auch mit der Nationalen Aufklärungsinitiative Diabetschinauropathie Material entwickelt um die Durchführung dieser Tests zu vereinfachen.
00:28:14: Wir stellen das Material für die Fragebührung zur Verfügung, wir haben Trainingsvideos auf YouTube und auf der Seite der Nationalen Aufklärungsinitiativen veröffentlicht und wir haben jetzt neuerdings auch einen sogenannten DSPN Screening Assistant in dem wir die Eingabe der Untersuchungsbestandteile vereinfachen und die dann auch ausgeben, welcher Diagnose das zu vereinbaren wäre.
00:28:44: Ich habe sonst oft gehört, dass es eigentlich schwierig ist solche Fragebögen zu finden oder genau herauszufinden wie man jetzt die Untersuchungen durchführt.
00:28:54: Die es in den Leitlinien propagiert werden und ich denke das dieses Material einem helfen kann, das in den Praxisalltag zu integrieren ohne dass das den Rahmen sprengt.
00:29:09: Wunderbar!
00:29:09: Das klingt super und ich glaube dann werden wir diese Materialien auch einfach hier mit verlinken und so den Zuhörern zugänglich machen, weil das ist genau das was es glaub ich braucht um schnell anzufangen.
00:29:21: Und das einfach nochmal zu sehen wie's funktioniert.
00:29:24: Sehr gut!
00:29:25: Vielen Dank für die Einblicke und die Impulse und ganz viel Erfolg weiterhin für ihre Forschung.
00:29:30: Ich bin sehr gespannt wie sich das weiterentwickelt und worüber man dann in einigen Jahren in Richtung Neuropathie sprechen kann muss oder darf.
00:29:38: Herzlichen Dank dass wir darüber sprechen konnten.
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