KurzGefasst: Revidierte McDonald-Kriterien 2024 – frühere MS-Diagnose mit konventionellen Methoden
Shownotes
Wie viel früher lässt sich Multiple Sklerose heute diagnostizieren – und braucht es dafür tatsächlich hochspezialisierte neue Bildgebungsverfahren? In dieser Folge von „KurzGefasst“ stellen wir eine aktuelle Studie aus eClinicalMedicine vor, die zeigt: Die 2024 überarbeiteten McDonald-Kriterien ermöglichen deutlich häufiger eine MS-Diagnose bereits beim ersten demyelinisierenden Ereignis – und das auch mit den konventionellen diagnostischen Verfahren der klinischen Routine.
Grundlage der Untersuchung ist eine prospektiv erhobene, monozentrische Kohorte mit 215 Erwachsenen, die zwischen Oktober 2020 und Juni 2025 mit einem ersten demyelinisierenden Ereignis oder einem radiologisch isolierten Syndrom an der Medizinischen Hochschule Hannover vorgestellt wurden. Alle Patientinnen und Patienten erhielten eine standardisierte Diagnostik mit kontrastverstärktem MRT von Gehirn und Rückenmark, visuell evozierten Potenzialen und Liquoranalyse. Die Daten wurden anschließend retrospektiv sowohl nach den McDonald-Kriterien von 2017 als auch nach der revidierten Fassung von 2024 ausgewertet. Neu eingeführte MRT-Marker wie das zentrale Venenzeichen oder paramagnetische Randläsionen sowie die optische Kohärenztomographie waren in der Kohorte nicht systematisch verfügbar.
Die Ergebnisse sind klinisch relevant: Nach den Kriterien von 2017 erfüllten 181 von 215 Personen – also 84 Prozent – bereits bei der Erstvorstellung die Voraussetzungen für eine MS-Diagnose. Unter Anwendung der 2024 revidierten Kriterien waren es 201 Personen beziehungsweise 93,5 Prozent. Die 20 zusätzlichen Diagnosen gingen vor allem auf die Einbeziehung des Nervus opticus als weitere neuroanatomische Topografie sowie auf die Möglichkeit zurück, bestimmte Fälle eines radiologisch isolierten Syndroms als MS zu klassifizieren. Der diagnostische Zugewinn war dabei hochsignifikant.
Für die Praxis besonders wichtig: Die neuen Kriterien entfalten ihren Nutzen bereits mit den heute verfügbaren Standardmethoden. Ein hypothetischer Verzicht auf visuell evozierte Potenziale hätte den Großteil der Diagnosen weiterhin ermöglicht. Ohne Liquordiagnostik wären dagegen etwa 25 Prozent der Diagnosen nicht möglich gewesen. Die Liquoranalyse bleibt damit ein zentraler Bestandteil der Diagnostik. Zugleich zeigen die Daten, dass der Sehnerv bei vielen Betroffenen Hinweise auf eine Beteiligung liefert, die klinisch nicht immer als manifeste Optikusneuritis in Erscheinung getreten ist.
Wir besprechen, warum eine frühere MS-Diagnose den Beginn einer krankheitsmodifizierenden Therapie beschleunigen kann, welche Rolle der Sehnerv und die Liquoranalyse in den neuen Kriterien spielen und weshalb moderne MRT-Marker trotz ihres wissenschaftlichen Potenzials in der klinischen Routine derzeit nicht immer entscheidend sind. Außerdem geht es um die Grenzen der Studie: das monozentrische Design, die kurze Nachbeobachtungszeit, die fehlende formale Prüfung der diagnostischen Spezifität und die weiterhin diskutierte Frage einer möglichen Überdiagnose – insbesondere bei radiologisch isolierten Syndromen. Die Studie spricht insgesamt für einen pragmatischen Ansatz, bei dem neue diagnostische Möglichkeiten in bestehende, breit verfügbare Verfahren integriert werden.
Dieser Podcast wird mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt.
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Transkript anzeigen
00:00:11: Herzlich willkommen bei Kurzgefasst von MGB Medizin.
00:00:15: Die McDonald-Kriterien zur Diagnose der Multiplinsklerose wurden in den letzten Jahren überarbeitet, mit dem Ziel die Erkrankung früher zu erkennen.
00:00:25: Eine aktuelle prospektive Kohortenstudie aus e-Clinical Medicine zeigt nun – die neuen Kriterien ermöglichen tatsächlich mehr Diagnosen bereits beim ersten Ereignis und das auch ohne die neu eingeführten aufwendigen Bildgebungsmarker.
00:00:40: Die Autorinnen und Autoren um Franz-Felix Kohnen von der Medizinischen Hochschule Hannover untersuchten prospektiv zweihundertfünfzehn Erwachsene, die zwischen Oktober zwanzigzwanzig und Juni zwanzich fünfundzwanzIG mit einem ersten demielinisierenden Ereignis oder radiologisch isoliertem Syndrom vorstellig wurden.
00:01:02: Alle erhielten eine standardisierte Diagnostik nach den zwei Tausend Siebzehner Kriterien Kontrast verstärktes MRT von Gehirn- und Rückenmark visuell evozierte Potenziale und Liquoranalyse.
00:01:16: Neu eingeführte MRT Marker wie das zentrale Venenzeichen oder paramagnetische Randlesion sowie die optische Coherenztomographie waren nicht systematisch verfügbar.
00:01:28: Die Daten wurden retrospectiv nach beiden Kriteriensätzen ausgewertet.
00:01:35: Kurze Werbung – MGB Medizin, ihr Portal für aktuelle medizinische Fachinformationen.
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00:01:49: Mehr erfahren unter mgb-medizin.de.
00:01:55: Primärer Endpunkt war der Anteil der Personen die bei Erstvorstellung die Diagnosekriterien erfüllten.
00:02:01: Nach den Zweitausendvierundzwanziger-Kriterien erfüllten zweihunderteins von zweihundertfünfzehn Personen die Diagnosekriterien für MS, verglichen mit einhundertdeinundachtzig.
00:02:18: Dieser Unterschied war statistisch hochsignifikant.
00:02:21: Die zwanzig zusätzlichen Diagnosen resultierten zu fifty-fünfzig Prozent aus der Einbeziehung des Nervusoptikus als fünfter neuroanatomischer Topografie und zu thirty fünfzig Prozent Aus der Reglassifizierung von RIS als MS.
00:02:38: VEP identifizierten die Optikusbeteiligung in neunundachtzig Prozent der Fälle.
00:02:44: In hypothetischen Szenarien, in denen VEP-Befunde ausgeschlossen wurden, blieben neunundneinzig Prozent der Diagnosen durch andere Kriterien möglich.
00:02:54: Bei hypothetischem Ausschluss der Liquiddiagnostik wären hingegen fünfundzwanzig Prozent der Diagnosen nicht mehr möglich gewesen.
00:03:02: Für die Praxis ergeben sich mehrere wichtige Implikationen, die revidierten Kriterien ermöglichen eine frühere MS-Diagnose bereits beim ersten klinischen Ereignis auch ohne aufwendige neue Bildgebungsmarker.
00:03:17: Dies kann den Therapiebeginn beschleunigen was nachweislich mit besseren Langzeitergebnissen assoziiert ist.
00:03:24: Die Liquiddiagnostik bleibt zentral, fast die Hälfte der Diagnosen benötigte entzündliche Liquorbefunde.
00:03:32: Bei Patientinnen und Patienten mit RIS- und entzündenlichem Liquor erlauben die neuen Kriterien nun eine MS-Diagnose – dies betrifft eine Hochrisikogruppe mit erhöhter Konversionswahrscheinlichkeit.
00:03:46: VEP erweisen sich als schnelle, kostengünstige Methode zur Objektivierung einer Optikusbeteiligung die bei fifty-eight Prozent der MS-Patientinnen und Patienten nachweisbar war deutlich mehr als die neununddreißig Prozent mit klinischer Optikussneuritis.
00:04:04: Die neu eingeführten MRT-Marker, zentrales Venenzeichen, paramagnetische Randläsionen waren in dieser Kohorte nur bei sechs Komma fünf Prozent der Personen ohne MS Diagnose potenziell diagnostisch relevant.
00:04:19: Mehrere Limitationen sind zu beachten.
00:04:22: Die Studie stammt aus einem einzelnen Zentrum und wurde retrospektiv analysiert, auch wenn die Daten prospektiv erhoben wurden.
00:04:30: Die neuen MRT-Marker und die optische Kohärenztomographie standen nicht systematisch zur Verfügung und konnten daher nicht umfassend evaluiert werden.
00:04:40: Die Nachbeobachtungszeit war mit medialen zwölf Monaten relativ kurz.
00:04:45: Die Stichprobe bestand aus Personen, die an eine Universitätsklinik überwiesen wurden was die Generalisierbarkeit einschränken könnte.
00:04:53: Zudem wurde die diagnostische Spezifität nicht formal getestet, da keine Kontrollgruppe ohne Verdacht auf dem jelenisierende Erkrankung eingeschlossen wurde.
00:05:03: Die Frage der möglichen Überdiagnose insbesondere bei RIS bleibt Gegenstand der Diskussion.
00:05:10: in dieser Kohorte sprachen jedoch entzündliche Liquidbefunde und die Verlaufsbeobachtungen für eine korrekte Klassifikation.
00:05:18: Die MacDonald-Kriterien erhöhen die diagnostische Sensitivität und ermöglichen eine frühere MS-Diagnose, hauptsächlich durch Einbeziehung des Nervusoptikus oder Anerkennung von Hochrisiko RIS Fällen.
00:05:34: Die Liquor-Analyse bleibt unverzichtbar für Diagnose und Differenzialdiagnostik.
00:05:39: Während neue Bildgebungsmarker vielversprechend sind, ist ihr aktueller klinischer Beitrag begrenzt wenn vollständige Standard MRT und Liquor Parameter verfügbar sind.
00:05:50: Diese Befunde unterstützen einen pragmatischen Ansatz bei dem neue diagnostische Werkzeuge in bestehende Methoden integriert werden.
00:06:00: Das war kurz gefasst von MGB Medizin.
00:06:03: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!
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