Migräne zwischen Mythos und Misogynie: Ein Blick in die Geschichte | Prof. Gudrun-Goßrau im Expertentalk

Shownotes

Ein pochender Schmerz, Sehstörungen, Übelkeit und die Unfähigkeit, auch nur kleinste Reize zu ertragen: Für Menschen mit Migräne kann eine Attacke fast unerträglich sein. Bereits in der Antike wurden diese besonderen Kopfschmerzen beschrieben – im Laufe der Geschichte jedoch mit sehr unterschiedlichen Erklärungen und teils fragwürdigen Behandlungsmethoden.In einer neuen Folge des MGB Medizin Podcasts nimmt Medizinjournalistin Julina Pletziger Sie mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Migräne.

Gemeinsam mit Prof. Dr. Gudrun Goßrau-Solimena, Fachärztin für Neurologie und spezielle Schmerztherapie sowie Generalsekretärin und Pressesprecherin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, spricht sie darüber, wie sich das Verständnis dieser Erkrankung verändert hat.Warum wird Migräne noch immer häufig bagatellisiert? Welche Vorgänge im Gehirn lösen eine Attacke aus? Wie wird Migräne heute diagnostiziert und behandelt? Und welche Rolle spielen moderne Medikamente wie Triptane sowie die Prophylaxe?

Außerdem berichtet Sabine aus Duisburg von ihrem langen Weg zur richtigen Behandlung, absurden Ratschlägen und der Erfahrung, mit ihren Beschwerden nicht ernst genommen zu werden.Die Folge beleuchtet auch, warum Migräne bei Frauen häufiger und oft belastender auftritt, weshalb die Erkrankung bereits in der Kindheit oder Jugend erkannt werden sollte und welche Versorgungslücken noch immer bestehen. Dabei wird deutlich: Migräne ist keine harmlose Befindlichkeitsstörung, sondern eine komplexe neurologische Erkrankung, die Anerkennung und eine passende Behandlung verdient.

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Transkript anzeigen

00:00:02: Es kommt aus dem Rücken über die rechte Schulter, als würde so ein Nerv gelähmt oder gedrückt und zieht sich dann über den Hinterkopf, über die Stirn auf die rechten Schläfe.

00:00:14: Und wenn es da angekommen ist, ist es einen pochender Schmerz der fast nicht auszuhalten ist, der auch mit Übelkeit verbunden ist.

00:00:25: Manchmal hängt dann auch mein rechtes Auge runter.

00:00:27: Ich hab Seestörungen und kann da gar nicht mehr unterscheiden, was ist schlimmer dieser pochende Schmerz im Kopf oder diese riesige Übelkeit?

00:00:39: Was die zweiundsechzigjährige Sabine aus Duisburg hier berichtet, es eine Krankheit unter der Menschen durch die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch gelitten

00:00:47: haben.

00:00:48: Bereits Hippocrates schrieb im alten Griechenland von furchtbaren Schmerzen in den Schläfen, Erbrechen- und Lichterscheinungen.

00:00:56: Aratheos von Kapadokian stellte im zweiten Jahrhundert nach Christus die erste Taxonomie des Kopfschmerzes auf.

00:01:03: Er wusste bereits, dass es einen gewöhnlichen Kopfschmärz gibt aber auch einem der von Übelkeit erbrechten Schwitzen und Zitat Verfremdung des Geruchssinns begleitet ist.

00:01:14: Patientinnen mit diesem besonderen Kopfschmetz seien geräusch- und lichtempfindlich und zügen sich in dunkle Zimmer zurück um den Schmerz irgendwie zu ertragen.

00:01:23: Die Migräne ist damit eine der Krankheiten, die am frühesten so eindeutig beschrieben wurde.

00:01:32: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge des MGB Medizin-Podcasts!

00:01:36: Ich bin Julina Plätziger, Medizinjournalistin in den Bereichen Neurologie und Psychiatrie.

00:01:41: Heute gehen wir gemeinsam auf Zeitreise – Wir wollen herausfinden wie sich Erklärungen Behandlung und die gesellschaftliche Wahrnehmung der Migränen im Laufe der Geschichte verändert haben.

00:01:52: Ich stütze mich für diese Folge auf die Arbeiten von Professor Hartmut Göbel und Prof.

00:01:56: Franz Ensink, erschienen im Buch Migräne – aktuelle Aspekte eines altbekannten Leidens.

00:02:10: Dass die Migräner eine sehr schmerzhafte Krankheit ist, deren Ursachen innerhalb des Körpers liegen, weiß die Menschheit eigentlich seit Ewigkeiten!

00:02:18: Überlieferungen aus Griechenland, Rom- und Mesopotamien erzählen von Dämonen, die im Schädel sitzen und den Betroffenen quälen.

00:02:27: Wie bei vielen anderen Krankheiten lag in Griechenland auch eine humoralfysiologische Erklärung vor.

00:02:33: Die Säfte des Körpers seien ungleich verteilt, es sei zu viel Galle in den Kopf gestiegen.

00:02:40: Thomas Willis aus London war im Jahr die erste, der eine vaskuläre Ursache vermutete.

00:02:48: Seine Idee waren aufgestaute Blutgefässe durch die die Nervenfasern gewaltsam auseinandergezogen würden.

00:02:56: Für diese Folge habe ich Prof.

00:02:58: Dr.

00:02:58: Gudrun Gosrau eingeladen, sie ist Fachärztin für Neurologie und spezielle Schmerztherapie – und Generalsekretärin sowie Pressesprecherin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschafts.

00:03:09: Auf die Frage was Sie für das hartnäckigste Missverständnis der Migraine hält, antwortete sie?

00:03:15: Wahrscheinlich dass Migrina häufig bakatialisiert wird, dass es nicht als Migraine als Erkrankung wahrgenommen wird sondern eben nur einmal Kopfschmatz Und dann gern im Zusammenhang, es ist alles zu viel.

00:03:28: Eine Überforderung, Stress, zu wenig Entspannung... Also dass dieser Fakt, das es sich um eine wirkliche neurologische Erkrankung handelt einfach nicht wahrgenommen und anerkannt wird.

00:03:40: Wir haben ja bei der Migräne eine klare genetische Prädisposition Und wir wissen jetzt auch aus vielen wissenschaftlichen Untersuchungen, dass es wiederkehrende und auch typische Veränderungen in den neuronalen Netzwerken gibt.

00:03:53: Und das natürlich viel mehr Symptome zu Migränen noch dazugehören von Begleitssymptomen aber auch prämonitorische Symptomen letztlich die bereits vor ein bis zwei Tagen vor der Attacke auftreten können.

00:04:05: Und natürlich auch das Postrom, also was dann nach der eigentlichen Migränekopfschmerzphase kommt, dass zum Beispiel Konzentrationsstörung oder meine Abgeschlagenheit noch mit

00:04:15: beinhaltet.".

00:04:16: Welche Hirnareale sind denn alles bei einer Migräneattacke beteiligt?

00:04:20: Also es ist letztlich so, dass verschiedene Hohenregionen dort beteiligt sind.

00:04:24: Insbesondere der Hypothalamus aber auch ganz starker Hirnstamm und natürlich das Trigeminovascularesystem was also Prinzip den Nervus Trigeminus und die Innovation der Gefäße mit inkludiert.

00:04:38: Ptalamus hat natürlich, wenn es um Schmerz geht und Wahrnehmung immer eine ganz wichtige Funktionen und eben die entsprechenden Kortikal-Netzwerke.

00:04:46: Und wir wissen jetzt das während der Attacke auch mit ausgehend von Ptalamus an der Aktivierung der Trigeminus-Nervus-Trigeminusaferenzen passiert und dass dann in der Folge auch verschiedene Neurotransmitter unter anderem

00:05:09: des CJRP, das Calcitonine Gene Related Peptide

00:05:31: Der älteste archäologische Befund, der mit Migräne in Verbindung gebracht wird ist knapp zehntausend Jahre alt.

00:05:38: Trepanierte Schädel, also angeborete oder angeschnittene Schädelnknochen geben Hinweise darauf dass möglicherweise auf wortwörtlich Steinzeit chirurgische Weise versucht wurde die vermuteten Dämonen aus dem Kopf der Leidenden zu entlassen.

00:05:54: Im Laufe der Geschichte entstanden dann viele interessante vermeintliche Heilmethoden.

00:05:58: Ein etwa vor drei tausend zweihundert Jahren auf egyptischem Papyrus notiertes Rezept empfiehlt zum Beispiel, einen Welz in Öl zu braten und dieses Öl als Kopfsalbe einzusetzen.

00:06:10: Im Italien des dreizehn Jahrhunderts wurde eine Breipackung aus Opium und Weinessig aufgetragen – in der Renaissance Mischungen aus Milch, Safran- und faulen Äpfeln.

00:06:21: Rund um den Globos wurden auch invasive Methoden eingesetzt, um zu versuchen die Schmerzen zu lindern.

00:06:27: Im arabischen Spanien des ersten Jahrhunderts probierte man es mit glühenden Brenneneisen und Knoblauchte in den geöffneten Schädel eingeführt wurde.

00:06:35: Die Inka in Südamerika tröpfelt in Kokasaft in den Schäde.

00:06:39: Aus Nordamerika stammt eine Methode bei der Mischungen aus Zedernholz- und Bärengalle mit Nadeln in die Schläfen eingearbeitet wurden.

00:06:47: In Europa hielt sich bis weit in das neunzehnte Jahrhundert hinein der Adalas.

00:06:53: Frau Prof.

00:06:54: Gostrau, wir können ja alle nur dankbar sein dass die Medizin sich weiterentwickelt hat.

00:06:59: wie wird Migräne denn heutzutage behandelt?

00:07:02: Ja, Migränen wird auf mehreren Säulen basierend behandelt.

00:07:06: eine generelle wichtige Basis ist natürlich die Education des Patienten.

00:07:11: Das Patient weiß Was habe ich und wie kann ich selbst gut und günstig damit umgehen?

00:07:16: Und welche Lebens- und Verhaltensfaktoren sind dort förderlich.

00:07:21: Natürlich ist es in dem Zusammenhang wichtig, nicht medikamentöse Ansätze zu kennen, wie zum Beispiel Großdauersport oder den regelmäßigen Einsatz von Entspannungstechniken.

00:07:31: Und natürlich ist es auch wichtig für Patientinnen und Patienten mit Migräne, eine funktionierende Akutmedikation zu besitzen.

00:07:38: Und natürlich auch Medikament gegen die Übelkeit, weil es die Üblichkeit ein deutliches Problem ist.

00:07:44: Und diese Medikationen für die Akutsituation muss eben auch geprüft werden nicht nur verordnet sondern auch gepprüft.

00:07:50: Wenn dieses Medikamente was verordnete wurde noch nicht gut funktioniert dann muss man auch weitergehen um das spezifisch an den Patienten anpassen.

00:07:58: Ja und der nächste Punkt ist natürlich auch eine medikamentöse Prophylaxe.

00:08:05: Eine, fast muss ich sagen, eine Befreiung war die Erfindung von Triptanen denn das war das erste Mal in meinem Leben dass es tatsächlich eine Hilfe gab weil Schmerzmedikamente aller hat die ich auch ausprobiert habe hatten haben die Migräne nicht beseitigt Eine Art Befreiung.

00:08:33: Freut mich zu hören, dass du gute Medikamente für dich gefunden hast.

00:08:36: Du hast mir auch erzählt, Sabine, dass dein Weg bis dahin lang und steinig war.

00:08:41: Und du auch den einen oder anderen absurden Tipp zu hören bekommen hast?

00:08:45: Was wurde dir da so gesagt?

00:08:48: Ich habe von einem Arzt mal den Tipp bekommen.

00:08:52: Ich sollte es mit Gurkensalat probieren.

00:08:54: So hätte er seine Frau auch von der Migräne befreit.

00:08:58: Es

00:09:01: gibt ja für die Migräne sehr klare Diagnosekriterien nach der internationalen Kopfschmerz-Klassifikation und es ist also gut machbar, dort eine Diagnosse zu stellen.

00:09:10: Es gibt klare Kriterien für den Ausschlussdiagnostik.

00:09:14: da gibt das also so für die Red Flex bei Kopfschmärzen.

00:09:16: wann muss man zum Beispiel Bildgebung und weitere Untersuchungen durchführen?

00:09:20: Und trotzdem ist das doch verzögert immer wieder eine klare Diatnose.

00:09:24: Und was wir zum Beispiel aus den Daten von den Krankenkassen auch klar sehen, ist dass du insbesondere im Jugendalter einer riesen Lücke klaffst.

00:09:32: Da sind ganz viele bekommt dort eine unspezifische Kopfschmerzdiagnose also allgemein Kopfschmärz und dann gibt es immerhin wenn zum Eintritt in das Erwachsenenalter, also ab dem achtzehn Lebensjahr einen Sprung in der Kulierung von Migräne-Diagnosen.

00:09:49: Sabine kannst Du Dich noch an Deiner allererste Migräneraschacke erinnern?

00:09:54: Also meine ersten Migräneantakten habe ich in der Schulzeit gehabt, am Gymnasium und da mussten meine Eltern auch zur Schule kommen.

00:10:05: Weil die Lehrer das sehen konnten wenn das Auge runter hing und ich mich in der Schule übergeben musste und nichts mehr mitbekommen habe und wurden aufgefordert mich weniger unter Druck zu setzen oder mich drauf aufmerksam zu machen dass mein Ehrgeiz so groß ist und ich selber weniger Druck auf mich ausüben soll.

00:10:24: Ich sehe unsere Patienten, wir haben ja sehr viele auch chronifizierte Patienten.

00:10:29: Die eben dann schon im mittleren Lebensalter sind und einige davon die besonders schwerkronifiziert sind, sind ja auch in einer Werbsunfähigkeit aufgrund des schwierigen und langwierigen Verlaufs.

00:10:40: Und wenn man diese Patienten befragt zum Beispiel, wann ihre Migräne begannen, dann kommt immer die Antwort in der Jugendzeit manchmal auch schon in der Kindheit.

00:10:47: Und sie wurde immer nicht ernst genommen.

00:10:49: am Anfang, wurde gesagt ja nimm mal irgendein Schmerzmittel und das geht dann schon wieder vorbei.

00:10:56: Die Fachgesellschaft DMKG widmet sich intensiv der Verbesserung der Kopfschmerz und Migräneversorgung von Kindern und Jugendlichen.

00:11:03: Prof.

00:11:04: Gudrun Gosrau forscht beispielsweise zu therapeutischen Versorgungslücken, leitet das Dresdner Kinder-Kopfschmerzenprogramm – dass neun bis neunzehnjährige Patientinnen über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten ergänzt von parallel stattfindenden Elternworkshops begleitet.

00:11:18: Mich berührt daran auch so sehr die Botschaft, dass Menschen mit Migränen nicht alleine sind.

00:11:23: Die hat Sabine aus Duisburg in ihrer Biografie oft gefehlt.

00:11:29: Ja, ich habe mich mit der Migräne sehr häufig alleine gefühlt, weil die erstens nur alleine zu ertragen und zu bewältigen ist.

00:11:40: Ich hab mich allein gefühlt, weil ich in Situationen trotzdem bestehen musste obwohl ich die Migräner hatte und da auch oft sehr hilflos gewesen bin zum Beispiel als meine Kinder klein waren Und ich mit ihnen alleine zu Hause war, habe mich im Kinderzimmer mit den Kindern eingeschlossen und mich auf die Matratze gelegt.

00:12:03: Und regungslos gelegen.

00:12:06: Die sind über mich drübergekrabbelt.

00:12:07: oder das Kinderzimmmer war sicher dass nichts passieren konnte aber ich war eigentlich gar nicht

00:12:14: zurechnungsfähig.".

00:12:17: Damit spricht Sabine einen weiteren wichtigen Punkt an.

00:12:20: Migräne betrifft Männern und Frauen nämlich nicht in gleicher Weise.

00:12:24: Das Ganze beginnt letztendlich mit der Pubertät.

00:12:27: Davor ist es relativ ausgewogene, obwohl da auch schon etwas die Mädchen überwiegen aber ganz klar danach viel mehr Mädchen und Frauen betroffen.

00:12:37: also wir haben so in etwa zwanzig versus acht Prozent was die Punktprävalenz betrifft.

00:12:42: das ist schon deutlicher Unterschied.

00:12:44: Und natürlich ist dort auch so ein bisschen die Frage, wie es dann die Krankheitslast oder wie ist die Einschränkung.

00:12:51: Und da gibt es auch sehr gute Daten, die zeigen dass Frauen also deutlich mehr beeinträchtigt sind mit ihrer Migräne.

00:12:58: das haben wir ja auch bei unseren Jugendlichen hier untersucht wo eigentlich klar wird, dass nach dem vierzehnten Lebensjahr migränebedingte Einschrankungen bei Mädchen viel viel mehr ausgeprägt sind als bei Jungen.

00:13:09: aber genauso ist das auch bei Frauen.

00:13:11: im Vergleich zu Männern

00:13:13: Wissen wir, woran diese Unterschiede liegen?

00:13:15: Also das eine der einer Ansatz ja natürlich auf der Hand liegt sind natürlich humanelle Unterschiede und es ist klar.

00:13:21: Die Inzidenz, die höchste Inzidenz der Migräne ist im Alter von zehn bis vierzehn Jahren.

00:13:26: Also auch dort wenn sie Menage einsetzt.

00:13:28: also das ist schon ein klarer homoneller Bezug und man weiß ja auch dass zum Beispiel Oestrogen Rezeptoren in verschiedenen Hirnregionen lokalisiert sind, die auch wesentlich für Schmerzempfindung, Schmerzenetzwerke mit verantwortlich sind so dass man sich dort eine Interaktion bei Einflussungen sehr gut vorstellen kann.

00:13:48: Das ist sicher ein großer Punkt.

00:13:50: nicht gibt es natürlich auch Unterschiede im sozialen Leben und man sich auch dort vorstellen kann, dass das eine wichtige Rolle mitspielt.

00:14:03: Paul Julius Möbus der unter anderem Friedrich Nietzsche's Migräne behandelte war der erste Arzt, der eine Geschlechtsstatistik zur Migränen aufstellte.

00:14:12: zu seiner eigenen Überraschung identifizierte er Frauen als die häufigeren Betroffenen.

00:14:18: mit dieser Erkenntnis ging eine durchaus sehr traurige Image Veränderungen her.

00:14:22: Hatte die Migräne bis dato als Krankheit der intellektuellen Dichter gegolten, so beschrieb das neue Bild der Migränekarin ein schwächtliches Nervensystem und empfindliches Gemüt.

00:14:32: Möbos selbst riebt dazu die Berichte der Frauen nicht zu überinterpretieren, da vielleicht auch die eine oder andere Übertreibung darin enthalten sei.

00:14:40: Onurede Balzac bezeichnete die Migraine ironisch als Königin aller Krankheiten da sie den Frauen eine gute, Zitat, Waffe liefere um ungewolltem Geschlechtsverkehr mit dem Ehemann zu entgehen.

00:14:55: Ich habe oft die Erklärung gehört das ist hormonbedingt eine Frauenkrankheit.

00:15:01: außer wenn Männer selber betroffen waren dann war es sehr ernstzunehmend und musste sehr genau untersucht werden und hat auch im beruflichen Kontext einen ganz anderen Stellenwert als wenn eine Frau gesagt hat ich hab Migräne.

00:15:17: Gibt es etwas Bestimmtes, dass du dir in puncto Migräne von der Gesellschaft wünschen würdest?

00:15:24: Ja ich würde mir wünschten das Migränen viel anerkanter wäre als sehr schmerzhafte Krankheit und nicht so nebulös behandelt wird.

00:15:34: Und

00:15:35: dass

00:15:35: Migräner Betroffenen

00:15:37: auch

00:15:37: im Beruf mit mehr Wohlwollen begegnet wird oder die von Arbeitgeberseite besser geschützt werden müssten.

00:15:47: Ich habe Professor Gosrao zum Abschluss gefragt, wie sie die Entwicklungen in der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Betrachtung der Migräne beurteilen würde.

00:15:56: Ja, die grundlagenwissenschaftlichen Erkenntnisse und jetzt auch durch diesen erfolgreichen Transfer in die Klinik mit den sehr erfolgreichen spezifischen Therapien ist schon, denke ich ein gewisses Umdenken erfolgt.

00:16:14: Dass es sich eine späzifische neurologische Erkrankung handelt hat wurde damit noch einmal... Untermauert letzten Endes.

00:16:21: Und natürlich kommen auch zunehmend gute Untersuchungen zum Thema Bildgebung, bildgebende Studien aber auch experimentelle Migränemodelle und Untersuchung von Biomarkern.

00:16:33: also da passiert sehr viel so dass letztendlich dieses biologische Fundament der Migräne immer weiter stabilisiert wird und auch anerkannt wird.

00:16:44: Vielen Dank das Sie sich die heutige Folge des MGB Medizin Podcasts angehört haben.

00:16:49: Wir veröffentlichen wöchentlich spannende Studienzusammenfassungen sowie Experten-Talks mit führenden Köpfen aus der interdisziplinären Welt der Medizin.

00:16:58: Ich freue mich, Sie bald wieder hier zu begrüßen!

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